Flugziele/London
London

Die Hauptstadt an der Themse ist natürlich immer einen Besuch wert.

Während die ganz großen Flughäfen (Heathrow, City, Luton, Gatwick, Stansted, Farnborough, Northolt) leider für die GA entweder gänzlich gesperrt oder unbezahlbar sind, so gibt es im Umland doch immerhin zahlreiche mittelgroße und kleinere Plätze, die es mehrheitlich ermöglichen, nur ca. eine Dreiviertelstunde nach der Landung im Zentrum Londons zu sein.

Beim Anflug von Kontinentaleuropa aus empfehlen sich natürlich (zumindest dann, wenn man nach dem Aufenthalt in London gleich wieder nach Europa zurück fliegt und nicht etwa weiter Richtung Norden oder Westen möchte) insbesondere jene Plätze, die im Süden oder im Osten der Stadt gelegen sind, da man so die Flugzeit minimiert. Daher sollen diese hier als erstes betrachtet werden:

Biggin Hill (EGKB)

Ca. 25 Kilometer südlich vom Zentrum Londons gelegen ist Biggin Hill der naheste und gleichzeitig noch bezahlbarste IFR-Platz im Umland von London.

Seit 2016 hat auch Biggin Hill eine PPR-Regelung (das war bis dahin nicht der Fall). Dieses PPR soll man ausschließlich online durch Ausfüllen eines Formulars einholen: https://www.bigginbooking.com. Und: ein PPR ist dann auch noch mal für den Start notwendig (ersetzt dort quasi das booking-out). Allerdings: die Aufgabe eines Flugplans erfüllt bereits diese PPR-Anforderung. Heißt also: bei internationalen Flügen oder bei (Airways-) IFR-Flügen muss man nichts weiteres tun, da man dafür ja ohnehin einen Flugplan benötigt. Man braucht den Antrag also eigentlich nur bei VFR-Inlandsflügen. Und selbst dann sollte man erwägen, ggf. einfach einen kurzen Flugplan aufzugeben (geht ja z.B. mit Skydemon sehr schnell), denn das Formular auf der Biggin-Website ist letztlich auch nicht viel kürzer.

Handling ist - auch wenn es freundlich angeboten wird - absolut keine Pflicht (nur Warnwesten tragen). Achtung beim Anflug nach IFR: Es werden teilweise die für EGLC (London City) veröffentlichten STARs genutzt, was für etwas Verwirrung sorgen kann. Danach gibt es in der Regel Vectors (von "Thames Radar") auf das ILS. Noch etwas: die Preisliste von Biggin weist eine Extra-Gebühr von satten 60 Pfund für bei VMC geflogene Instrumentenanflüge aus. Hierüber muss man sich in der Praxis aber keine Gedanken zu machen. Das dient lediglich dazu, lokale Flugschulen fernzuhalten, welche sonst permanent das ILS "belegen" würden. Wer auf einem "richtigen" IFR-Flugplan nach Biggin kommt, muss diese Gebühr - egal welches Wetter herrscht - nicht bezahlen. (Natürlich aber sollte man bei CAVOK den Vorschlag eines Visuals nicht unbedingt ablehnen.)

Nach der Landung am besten dem Tower Bescheid geben, wie lange man bleibt. In der Regel wird man auf dem Main Apron (im Westen des Platzes) in eine entsprechende Parkposition eingewunken. Dem Einwinker ggf. kurz Bescheid geben, dass man kein Handling braucht. Avgas oder Jet kommt auf Anfrage per Tankwagen. Auf Wunsch kann man aber auch per Self-Service von einer festen Tankstelle tanken (Kreditkarte). Der Literpreis ist dann ein paar cent günstiger; allerdings muss man danach natürlich noch einmal Anlassen, um zur definitiven Parkposition zu rollen (was den Vorteil eigentlich wieder aufhebt). Alle Abläufe sind insgesamt gut organisiert, die Wege sind kurz, das Personal freundlich. Es gibt für die Crew kostenlos Getränke und Snacks in einer netten Lounge. Allerdings nimmt man es in Biggin Hill ziemlich wichtig, dass auf der Airside stets "hi-vis" getragen wird.

Allerdings Vorsicht: Biggin Hill ist einer jener Plätze, die zwar - gemäß der offiziellen GAR-Anweisungen - offizieller Zollplatz sind, nicht aber offizieller Einreiseplatz. Bloß: Leider stets davon nichts in der AIP und im Jeppesen (da steht einfach nur "Customs", ohne Verweis darauf, dass es keine "Immigration-Designation" gibt). Leider steht auf der Website des Airports ein ähnlich verwirrender Hinweis. Bedeutet: man sollte, wenn man z.B. von Deutschland oder Frankreich dorthin fliegt, sein GAR stets mit mindestens 4 Stunden Vorlauf gegenüber der Landezeit absenden (siehe Abschnitt "Zoll/Einreise").

Um nach London zu kommen, muss man zunächst zur Bahnstation Bromley South (alle 15 Minuten Züge nach Victoria Station) oder Orpington (alle 15 Minuten Züge nach London Bridge). Beide fahren knapp 20 Minuten. Für die rund 15-minütige Fahrt zu einem der beiden Bahnhöfe sollte man nicht den Chauffeurservice des Flugplatzes nutzen (ca. 25 Pfund pro Strecke) sondern eher ein normales Taxi nehmen (ca. 15 Pfund, "Westerham Taxi"). Die Damen am Handlingschalter rufen ein solches freundlicherweise, auch wenn man eigentlich nicht von Ihnen "gehandelt" wird. Für die kurze Wartezeit gibt es eine Bar in dem kleinen Terminal. Nach Bromley South kann man alternativ auch mit zwei Bussen (246 und 320) kommen. Manche Piloten haben auch über gute Erfahrungen mit Uber berichtet.

Insbesondere die Zugverbindung von Bromley South nach Victoria Station (Southeastern Railway) ist perfekt (17 Minuten Fahrzeit mit den Direktzügen). Es empfiehlt sich das Tagesticket (ca. 10 Euro), welches man dann auch in der Stadt für Underground und Busse nutzen kann. Bei der Rückfahrt zum Flugplatz das selbe Schema. In Bromley South warten meist Taxis, deren Fahrer ohne Probleme nach Biggin Hill (Main Terminal) finden. Vor dem Abflug bekommt man (auch ohne Handling und ohne Aufpreis) eine komplette Briefingmappe mit Wetterausdrucken in Farbe ausgehändigt. Der eigene Flug wird außerdem auf dem "Departures"-Bildschirm angezeigt.

Zu den Kosten: Landen und 24 Stunden Parken kosten mit einer Einmot ca. 51 Pfund (über 1,7 Tonnen MTOW mehr). Damit ist Biggin Hill effektiv auch für VFR-Flieger, welche die IFR-Infrastruktur eigentlich nicht unbedingt brauchen kaum viel teurer als einige andere VFR-Plätze im Londoner Umland (Elstree, Denham, North Weald, etc.), zumal die Lage Biggin Hills im Südosten der Stadt (von Deutschland kommend) wie gesagt die Flugzeit minimiert. Für die IFR-Flieger bieten sich als bezahlbare (IFR)-Alternativen wegen recht guter Verbindungen nach London die Plätze Southend (EGMC), Cambridge (EGSC) und Oxford (EGTK) an.

Bei Abflug bekommt man in Biggin eine umfangreiche Briefing-Mappe (Wetter, NOTAMs, etc.) zur Verfügung gestellt. Zwar braucht das heutzutage in Zeiten des iPad niemand mehr, aber es verdeutlicht die Service-Orientierung dieses Platzes (kostet keine Extra-Gebühren). Zusammengefasst ist Biggin Hill nach wie vor wohl insgesamt einer der besten (IFR-) GA-Metropolen-Plätze in Europa.

Damyns Hall (EGML)

Dieser unlizensierte kleine Grasplatz liegt ca. 20 Kilometer östlich Londons. Wer also nicht unbedingt IFR-Verfahren braucht oder auf eine Asphaltbahn besteht, der kann diesen von den Gebühren noch mal deutlich günstigeren Platz nehmen. Außerdem gibt es hier natürlich etwas mehr Sportfliegeratmosphäre als in Biggin Hill. Im Jeppesen steht zwar "PPR", in Realität wird ein Anruf aber nicht unbedingt erwartet (ein voriger Anruf kann aber natürlich dennoch durchaus Sinn machen wegen der Graspiste). Man muss aber, wenn man aus dem Ausland kommt, natürlich vorab ein GAR-Formular absenden.

Der Funk in Damyn's Hall ist in aller Regel nicht besetzt, d.h. es wird blind gefunkt. Und Achtung: das Rufzeichen heißt nicht "Damyns Hall Radio" sondern "Hornchurch Radio". Es wird ein overhead-joining Verfahren oder ein straight-in gewünscht. Achtung unbedingt auf die sehr nahe London City CTA westlich des Platzes und die Untergrenzen der London TMA. Die Piste ist physisch 855 Meter lang, allerdings einseitig mit recht stark versetzter Schwelle. Nordöstlich des Platzes verläuft nämlich eine Hochspannung, die aber im Grunde kein großer Faktor ist, da sie doch recht weit von der Schwelle entfernt ist. Gelandet wird dennoch (wenn der Wind es zulässt) meist auf der 03, zumal diese leicht ansteigt. Analog wird eher auf der 21 gestartet. Es geht aber auch jeweils "anders herum"; d.h. die Piste ist nicht strikt "one-way".

Avgas ist verfügbar (es gibt einen alten Avgastruck, der allerdings an einem festen Ort steht, d.h. man muss dorthin rollen). Außerdem gibt es ein typisches kleines "Airport-Caf" mit "full english breakfast" etc. Seit 2013 gibt es in Damyns Hall keinerlei Landegebühren mehr. Auch das Avgas ist immer recht günstig. Sehr löblich - der Eigentümer betreibt den Platz quasi als philantrophisches Hobby. Die Parkgebühren sind sehr moderat.

Seit Mai 2017 an diesem Platz beheimatet ist außerdem "The Tiger Club", ein in ganz Südengland bekannter Fliegerclub, der historische Spornradflugzeuge betreibt. Hier kann man sehr unkompliziert und für recht wenig Geld Mitglied werden und dann z.B. Tiger Moth fliegen lernen. Für etwas sparsamere Leute gibt es auch Piper Cubs.

Auch die Leute der lokalen UL-Flugschule sind sehr freundlich und bringen einen wenn sie Zeit haben gerne zum gut 5 Minuten entfernten Bahnhof von Upminster (sonst Taxi ca. 9 Pfund; falls niemand am Platz ist, hier die Telefonnummer: 01708229400). Hier angekommen sollte man aufpassen, nicht die ewig langsame U-Bahn ("tube") sondern den Schnellzug ("c2c") nach Fenchurch Street (dauert nur 22 Minuten) zu nehmen; schon ist man direkt in London. Von Fenchurch Street kann man sich allerdings leider nicht direkt ins U-Bahn-Netz einklinken, sondern muss man ein paar hundert Meter zu Fuß zur nächsten Tube-Station (Tower Hill) laufen. Alternativ steigt man schon an der Station West Ham aus dem c2c-Zug aus und klinkt sich dort in das U-Bahn-Netz ein.

Rochester (EGTO)

Dieser Platz ist zwar etwas weiter außerhalb gelegen als Damyns Hall, Elstree und Biggin Hill. Doch durch seine Lage im Südosten von London ist er sehr geschickt gelegen, wenn man z.B. nach einem Channel-Crossing via Calais und Dover kommt, da man so die Flugzeit minimiert. Und da man ja ohnehin Zug fahren muss, ist auch nicht so wild, ob man nun 25 oder 45 Minuten im Zug sitzt (wobei dann natürlich das Ticket etwas teurer ist).

Außerdem sind die beiden gekreuzten Graspisten noch etwas großzügiger bemessen als in Damyns Hall. Und sie sind lizensiert (was aber ja im Prinzip für Privatpiloten nicht viel zu bedeuten hat). Aber auch davon ab gibt es hier eine gute Infrastruktur; z.B. ist mit Voranmeldung auch Nachtflug (auf einer Graspiste!) möglich. Parken und Tanken findet am Südende des Geländes statt. Dort gibt es zur Verpflegung auch ein übliches "Airport-Caf". Gebühren im sehr moderaten Bereich. Leider ist der Platz (wie Redhill) in den meisten Jahren wegen aufgeweichter Piste während des Winterhalbjahrs meist für einige Wochen praktisch geschlossen.

2019 soll der Platz übrigens (vielleicht...) eine Asphaltpiste bekommen, was ihn sicher noch attraktiver machen würde. Außerdem gibt es hier UL91. Es gibt bei Bedarf ein "Holiday Inn" quasi direkt am Platz.

Es ist nur eine kurze Taxifahrt nach Rochester Station und dann geht's mit National Rail in 45 Minuten nach Victoria Station.

Andere Plätze im Londoner Umland (alle nur VFR, aber mit Avgas und Asphaltpiste)

Nordwesten

Wycombe Air Park / "Booker" (EGTB) liegt nordwestlich der Stadt (etwas außerhalb). Er hat zwar ATC, aber leider (zumindest bisher) keine Instrumentenanflüge. Es wird ein nicht-standardgemäßes Joining-Verfahren angewandt (siehe die verschiedenen Flight Guides). Außerdem wird beim PPR-Anruf ein Noise-Abatement Briefing durchgeführt. Hier gibt es übrigens einen Transair Pilot Shop am Platz, was bei einer geplanten längeren UK-Reise direkt nach der ersten Landung ideal sein kann. Das am Platz befindliche Cafè, welches bisher einen miserbalen Ruf hatte, wurde im Frühjahr 2017 renoviert und wiedereröffnet und ist jetzt zumindest passabel. Um nach London zu kommen, geht es nach einer kurzen Taxifahrt zur Station High Wycombe mit Chiltern Rail nach Marylebone, von wo man sich in das U-Bahn-Netz einklinken kann. Übrigens: Wycombe wird "Wicom" (mit kurzem "i") ausgesprochen. Und: seit 2017 wird in auf diesem Platz die größte jährliche GA-Messe von Großbritannien, die "Aero Expo" ausgetragen (jeweils Ende Mai oder Anfang Juni). Auch dieser Platz arbeitet sein einiger Zeit an der Einrichtung eines GPS-Anflugs.

Denham (EGLD) liegt ebenfalls im Nordwesten der Stadt; ist allerdings deutlich stadtnäher als Wycombe. In der Tat, der Platz liegt innerhalb der Heathrow CTR, weshalb es spezielle, unbedingt zu beachtende An- und Abflugverfahren gibt (nur nach Norden bzw. von Norden kommend). Der Platz hat einen guten Ruf. Nebenan liegt ein schöner Golfplatz. Sehr kurze Taxifahrt bis Denham Station, dann wiederum mit Chiltern Rail nach Marylebone zur Londoner U-Bahn.

Elstree (EGTR) liegt genauso im Nordwesten der Stadt und ist wohl neben Damyn's Hall und Biggin Hill der geografisch naheste Platz zur City of London; so nah, dass man mit dem Taxi relativ schnell bis nach Stanmore (Jubilee-Line) oder besser noch nach Egware (Northern Line) fahren kann um sich dann gleich weiter mit der Tube zu bewegen. Allerdings ist zu bedenken, dass die Tube auf längeren Strecken immer recht langsam ist. Daher kann man als Alternative auch vom Flugplatz mit dem Taxi (etwas kürzer) nach Borehamwood Station fahren und mit dem Regionalzug in nur ca. 20 Minuten nach London St. Pancras fahren. Taxinummer: 02089 511 133; dem Fahrer genau sagen, wo man ist (am besten lässt man sich dabei vom Personal helfen). Noch zum Flugplatz Elstree ist zu sagen, dass allerdings die Piste relativ kurz ist und außerdem aufgrund seines Längsprofils ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. In der Vergangenheit hatte der Platz einen schlechten Ruf wegen a) teilweise unfreundlichem Personal am Funk und b) der Piste und dem Vorfeld in sehr schlechtem Zustand. Letzteres hat sich nach wohl zuminest zum Teil gebessert; ersteres mehreren Berichten zufolge nicht so wirklich. Am Platz gibt es einen Pooley's Pilot Shop.

Nordosten

Stapleford (EGSG) liegt nordöstlich von London und ist geografisch ähnlich nah an London gelegen wie Elstree und Damyns Hall. Der asphaltierte Teil der Piste ist 600 Meter lang; darüberhinaus gibt es Grasflächen. Der Platz ist sehr aktiv (vor allem Schulung) und es gibt außerdem strikte Lärmschutzverfahren, so dass es manchmal etwas hektisch werden kann. Vom Platz kann man mit dem Taxi (Tel. 02085 023333) z.B. zur U-Bahn-Station Debden fahren. Die darauf folgende Fahrt mit der "Tube" (Central Line) bis in die City ist allerdings eher lang. Der Platz arbeitet übrigens an der Einrichtung eines GPS-Anflugs.

North Weald (EGSX) liegt ebenfalls im Nordosten, ist aber einen Tick weiter von London entfernt. Dennoch: auch von hier ist es nur eine kurze Taxifahrt bis zur "Tube" (Central Line) nach Epping (das Taxi sollte man zum Cafè "The Squadron" bestellen). An diesem Platz gibt es immer relativ günstiges Avgas. Der Platz versprüht mit seinen Gebäuden teilweise noch richtig Atmosphäre der Kriegsjahre. Guter Ruf. Mittlerweile auch hier ziemlich viel Verkehr. Übrigens: der Platzname wird "North Wield" ausgesprochen.

Südwesten

Fairoaks (EGTF) liegt im Südwesten Londons und zwar genau wie auch Denham innerhalb der Heathrow CTR. Die Asphaltpiste ist 800 Meter lang. Man versteht sich ein wenig als der "Edel-Flugplatz" im Londoner Raum. Kurze Taxifahrt nach Woking Station und dann mit der National Rail Richtung London City (Waterloo Station). Auch hier: aufpassen, dass man in einen Schnellzug steigt und nicht in einen solchen, der alle zwei Minuten irgendwo hält. Allerdings hört man immer wieder von etwas merkwürdigen Eigenarten dieses Platzes, insbesondere im Umgang mit den GAR-Prozeduren, aber auch von "Controller spielenden" Flugleitern. Daher etwas mit Vorsicht zu geniessen. Ansonsten aber Besuchern gegenüber freundlich. Außerdem für einen Platz ohne IFR-Verfahren einen Tick teuer. Seit Ende 2017 gibt es hier Pilot Controlled Lighting (natürlich PPR).

Auch dieser Platz ist nunmehr seit 2016 für die Zukunft stark schließungsgefährdet.

Weitere VFR-Grasplätze im Raum London

Redhill (EGKR) liegt im Süden Londons, ist allerdings dafür bekannt, speziell im Winterhalbjahr Probleme mit Wasser auf den Pisten zu haben. Außerdem ist er nicht für platzfremde ULs zugelassen. Dafür gute Öffnungszeiten für einen Grasplatz (bis 19 Uhr local). Der Platz hat - obwohl ohne IFR-Anflüge - ATC (einen "Tower") und sogar eine eigene ATIS! Die Luftraumstruktur und die lokalen Anflugverfahren sollte man sich aufgrund der Nähe zu Gatwick vorher gut anschauen. Die Gebühren sind aber letztlich für einen Grasplatz etwas zu hoch. Um nach London zu kommen fährt man am besten mit dem Taxi zu Redhill Station und nimmt dann den Zug (Fahrzeit nur 27 Minuten) nach Victoria Station.

Noch ein Wort zu den Runways in Redhill: diese tendieren wie gesagt speziell im Winter dazu, abzusaufen. Es gibt allerdings kann im Süden des Platzes eine unlizensierte Asphaltpiste (07/25). Dies ist nichts weiter als ein entsprechend makrkierter Abschnitt eines Taxiways. Diese Piste darf offiziell nur verwendet werden, wenn die Graspisten unbrauchbar sind. In Praxis kann man allerdings auch selbst erklären, die Graspisten seien für seinen Typ nicht akzeptabel und dann die Asphaltpiste erbeten. Für Piloten heikler Flugzeuge (Mooney o.ä.) also eine gute Sache. Allerdings diese ist recht schmal (10 Meter) und offiziell nur 500 Meter lang; inklusive Auslaufzonen allerdings eher 700-800 Meter. Sie ist auch etwas "krumm"; daher auch nur unlizensiert.

Hoch gelobt wird das am Platz befindliche Bistro "The Hub". Es besticht Berichten zufolge durch hohe Qualität der Waren und guten Service. Die Preise sind dementsprechend etwas höher als üblich.

Leider ist der Platz nun mittelfristig ebenfalls schließungsgefährdet.

White Waltham (EGLM) liegt westlich von London, genau an der Grenze der Heathrow CTR und verfügt über drei sehr lange, gekreuzte Graspisten, die allerdings etwas "bumpy" sind, insbesondere die 11/29. Angeflogen wird über einen der insgesamt drei Visual Reference Points (VRPs). Hier ist ein sehr aktiver Flugverein (West London Aero Club) beheimatet und es herrscht viel Fliegeratmosphäre. Leider hat der Platz Lärmprobleme; außerdem ist die Luftraumsituation aufgrund der Nähe zu Heathrow sehr besonders. Dies führt dazu, dass das Personal beim PPR-Anruf Gästen ein sehr genaues Briefing geben muss und unbedingt auf deren Einhaltung besteht. Außerdem wird hier schon fast in religiöser Art und Weise der britische overhead join praktiziert und darauf bestanden. Andererseits: Das Clubheim und das dazu gehörige Restaurant haben in England Kultstatus. Auch hier kann man Chipmunk und sogar T-6 fliegen!

Zwar liegt der Platz schon etwas außerhalb der Stadt, aber die Verbindung nach London ist trotzdem sehr respektabel: sehr kurze Taxifahrt nach Maidenhead Station und dann mit dem Zug nach London-Paddington, wobei die schnellsten Züge gerade mal 25 Minuten brauchen.

Der im Norden Londons gelegene Grasplatz Panshanger (EGLG) wurde leider im September 2014 geschlossen. Es bestehen allerdings von verschiedenen Seiten konkrete Anstrengungen, den Platz wiederzueröffnen. Möglicherweise könnte es schon Richtung Ende 2018 dazu kommen.

Achtung: Der Platz Farnborough (EGLF) hat zwar IFR-Anflüge, ist aber leider ganz streng PPR und außerdem für Normalsterbliche unbezahlbar. RAF Northolt (EGWU) ist zwar verführerisch zentral gelegen, aber für Einmotorige nicht zugelassen. Der wunderschöne Stadtflughafen London City (EGLC) ist ja leider für Einmotorige ebenfalls nicht zugelassen. Für diejenigen, die aber ein zweimotoriges Flugzeug fliegen, ist es machbar. Man muss allerdings a) mittels Flughandbuch vorweisen, 5.5° steile Anflüge fliegen zu können und b) beim PPR-Antrag angeben, dass der Flug einen "Business-Zweck" hat, also nicht "for fun" ist. Die Gebühren sind sehr sehr hoch.

Und letztlich noch eine Alternative für die IFR-Flieger:

Southend (EGMC) liegt ca. 50 Kilometer östlich des Londoner Stadtzentrums, an der Mündung der Themse. Das Besondere: Direktzüge nach London fahren direkt am Flughafen ab, so dass keine Taxifahrt notwendig ist, sondern lediglich ein paar Minuten zum Fuß zum neuen Airline-Terminal herum spaziert werden muss. Und die Fahrzeit beträgt trotz der recht großen Distanz nur 53 Minuten bis nach Liverpool Street in London.

Obwohl der Platz durch Initiative der Firma Stobart Air in den letzten Jahren in den Expansions-Wahn (sprich: Billigflieger-Wahn) gekommen ist und er kräftig ausgebaut wurde, wird gleichzeitig versucht, den Platz auch für die GA halbwegs attraktiv zu halten. Die Gebühren sind noch akzeptabel (28 Pfund pro Landung bis 1,5 Tonnen; Parkgebühren 17 Pfund pro Nacht). Über 1.5 Tonnen ist es recht spürbar teurer. Handling ist nur für Flieger mit mehr als 2,5 Tonnen MTOW verpflichtend. Für die GA gibt es ein separates Apron (vor dem "alten" Abfertigungsgebäude. Man sollte auf dem Vorfeld auf keinen Fall die rote Linie (Grenze zum gewerblichen Apron) überschreiten!

Dafür gibt es eine exzellente Infrastruktur, u.a. ein Hotel (Holiday Inn) mit Restaurant direkt am Platz und eben den Bahnanschluss. Von daher ist es gar nicht zu weit hergeholt, dass der Platz jetzt als "London-Southend" vermarktet wird. 2015 hat der Platz einen eigenen kontrollierten Luftraum bekommen.

Folgende Besonderheit noch: Links auf Höhe der Aufsetzzone der 06 steht eine alte Kirche, wodurch das ILS nicht hindernisfrei gemäß ICAO-Vorgaben ist.

Sehr positiv ist, dass der Platz (als einer der ganz wenigen in UK) keinerlei PPR erfordert (nur bei Landungen zwischen 23:00h und 06:00h lokal erforderlich). Apropos Nachtstunden: Southend ist einer der wenigen Plätze, wo auch die private GA ohne große Beschränkungen mitten in der Nacht starten/landen und auch tanken kann. Es wird dann allerdings eine stolze Zusatzgebühr von über 200 Pfund fällig! Bis 23:00 Uhr allersdings fallen nur die "normalen" Gebühren an. Das ist sehr gut; dadurch eignet sich der Platz gut auch für den Nachtflug, z.B. wenn man erst abends noch vom Kontinent in Richtund London fliegen möchte. Das Hotel am Platz kommt da ebenfalls wie gerufen.

Avgas gibt es per Truck oder (wenn man eine BP-Karte hat) per Selfservice von der Tankstelle, wobei der Sprit von der Tankstelle wiederrum ein paar cent günstiger ist. Insgesamt ist das Spritpreisniveau aber für englische Verhältnisse stets sehr hoch. (Aus UK ausfliegende Flugzeuge können aber immerhin MwSt.-frei tanken).

Und: Unter allen hier genannten Plätzen ist Southend der einzige, der eine permanente Präsenz der Einreisebehörde (Immigration) hat. Dies bedeutet, dass er der einzige ist, den man (vom europäischen Festland kommend) ohne unbedingte Einhaltung der GAR-Vorlauffristen anfliegen kann (das GAR muss aber dennoch vor dem Flug abgesendet werden). Wenn man also von der anderen Seite des Kanals ganz kurzentschlossen nach London will, ist Southend die einzige Option.

Thema "Rundflüge über der City von London"

Rundflüge über der City von London sind leider kaum möglich; entsprechende Freigaben für die London und die London City CTRs sind nur in seltenen Fällen zu bekommen. Erstens ist die Gegend naatürlich sehr stark beflogen. Zweitens ist es aber außerdem so, dass für einmotorige Luftfahrzeuge grundsätzlich keine Freigaben erteilt werden. Grund ist, dass die UK CAA festgelegt hat, dass im Falle eines Motorausfalls keine ausreichenden sicheren Notlandemöglichkeiten bestehen. Wer eine Zweimot fliegt, kann grundsätzlich eine Freigabe erhalten; hier ist allerdings etas "local knowledge" über die am ehesten genehmigungsfähigen Routen sinvoll; wer Interesse hat, sollte sich hier vorab von lokalen Piloten / Fluglehrern briefen lassen.

Allgemeine Tipps für London-Besuche

- U-Bahn: es lohnt sich in der Regel das Tagesticket für ca. 9 Pfund. Einen Übersichtsplan der Londoner U-Bahn-Linien findet man hier.

- Für diejenigen, die Militärluftfahrt interessiert, gibt es dann noch das Royal Air Force Museum. Es liegt ca. 10 Gehminuten von der U-Bahn Station "Colindale" (Northern Line) enfernt. Siehe hier.

- Wer auch während eines Besuchs der Stadt nicht von der GA lassen kann, der findet in der Cambridge Street Nr. 50a (Nähe Victoria Station) einen von der AOPA UK in Zusammenarbeit mit AFE betriebenen Pilot Shop.


© 2012-2018 | Philipp Tiemann
flugdurchfuehrung