Flugvorbereitung/Zoll
Zoll / Einreise / Grenzpolizei

Das Vereinigte Königreich ist formal bereits zum 31. Januar 2020 aus der EU ausgetreten. Ende 2020 liefen dann auch die Übergangsregelungen aus, durch welche UK bis dahin weiter Mitglied in der EU-Zollunion und dem EU-Binnenmarkt (sowie auch Mitglied der EASA...) blieb. Mittlerweile: alles Vergangenheit. Zwar wurde Ende 2020 bekanntlich in letzter Sekunde doch noch ein großes Handelsabkommen mit der EU gezeichnet und in Kraft gesetzt; das ändert aber nichts daran, dass das Vereinigte Königreich nun aus EU-Sicht ein Drittland ist und sich dadurch auch für grenzüberschreitende Flüge durch Privatpiloten einiges geändert hat.

Auf UK-Seite allerdings sind die Änderungen recht geringfügig. Das heiß, dass sich z.B. an so genannten GAR-Verfahren (siehe weiter unten) und deren Fristen bisher fast nichts geändert hat.

Allerdings Folgendes: Früher gab es in den Erläuterungen zu dem GAR-Formular schon den Begriff des "Certificate of Agreement"-Aerodromes. Diese Plätze hatten die Eigenschaft, für Flüge von und zu Nicht-EU-Ländern genutzt werden zu dürfen, obwohl sie keine "richtigen" Zollplätze sind. Seit Anfang 2021 hat dies nun aber mehr Bedeutung gewonnen, also: diese Plätze mit Certificate of Agreement (CoA) dürfen nun auch für Flüge zwischen dem UK und dem Ausland (auch in der EU) genutzt werden. Plätze ohne CoA dürfen jetzt gar nicht mehr für internationale Flüge genutzt werden. Um die Sache zu vereinfachen, hat das Königreich eine Regelung erlassen, wonach grundsätzlich ALLE Flugplätze des Landes, die in den letzten Jahren internationale Flüge hatten, ein Übergangs-CoA bis Ende Juni 2022 erhalten. Ab dann werden alle Plätze mindestens ein "eigenes" CoA haben müssen, um weiter internationale Flüge haben zu dürfen. Bis dahin muss aber der Pilot vor einem internationalen Flug stets erstmal selbst sicherstellen, dass der zu verwendende Flugplatz wirklich von dem Übergangs-CoA-Regeln profitiert. Na ja.....

Was sich sonst geändert hat: EU-Bürger, die nach UK reisen, brauchen nun einen Reisepass; der deutsche Personalausweis z.B. ist nicht mehr ausreichend.

Außerdem muss man auf z.B. deutscher Seite sehen, dass nun für Flüge von und nach UK spürbar weniger Flugplätze in Frage kommen; dies, weil ja in Deutschland zahlreiche Verkehrslandeplätze recht einfach eine Schengen-Abfertigung durchführen können, nicht aber EU-Zollabfertigungen. Letztere braucht es aber seit dem 01.01.2021 für Flüge von und nach UK...

So; nachdem diese jüngsten Änderungen erläutert sind, nun zu all den weiternn Dingen. Nochmals vorweg: das Thema Zoll & Einreise ist im Zusammenhang mit UK, Irland, den Kanalinseln und der Isle of Man ziemlich kompliziert. Aber: wenn man sich etwas einliest und mit dem System auskennt, kann man als Privatpilot sehr von den teils außerordentlich pragmatischen Einreise- und Zollbedingungen profitieren. Also... nur Mut!

UK (Vereinigtes Königreich)

Seit dem 01.01.2021 ist das Vereinigte Königreich kein EU-Mitglied mehr und somit nicht mehr Teil der EU-Zollunion. Darüber hinaus ist es auch seit jeher kein Vollanwender des Schengen-Abkommens. Das sind zunächst erstmal "bad news"; bei Flügen nach UK genießt man also nicht jene Freiheiten, wie man es seit Jahren in den meisten Teilen Kontinentaleuropas gewohnt ist (sprich: "Flugplan machen und los").

Grundsätzlich würde man also denken, dass somit bei allen Flügen vom Ausland aus nach UK sowie von UK ins Ausland immer und stets zunächst ein "Zollflugplatz" verwendet werden muss; wo sowohl eine Zollkontrolle als die "Einreise" bzw. "Ausreise" (sprich: Paßkontrolle) erfolgen muss. Glücklicherweise ist das aber nicht so; siehe dazu die Erläuterungen aus dem einleitenden Abschitt sowie die folgenden Details.

Und zwar - und das sind die "good news" - hat man in UK für grenzüberschreitende Privatflüge eine sehr praxisnahe Lösung gefunden, und zwar ist es de facto weitgehend möglich, aus anderen Ländern kommend praktisch jeden beliebigen UK-Flugplatz (auch die "unlizensierten") direkt anzufliegen, insofern man dies vorab bei den britischen Einreise- bzw. Zollbehörden so anmeldet. Eine Genehmigung ist als solche nicht notwendig. Und so funktioniert's:

Für die Anmeldung solcher Flüge haben die britischen Behörden (die UK Border Force und die UK Police) gemeinsam ein Einreise- und Ausreiseformular entwickelt, das so genannte "GAR form". Das ist nichts anderes als eine Erklärung des Piloten darüber, wann, wo, welche Personen das Vereinigte Königreich per Flugzeug betreten (oder ggf. verlassen) werden. Download:

--> Hier

klicken, und dann auf "General Aviation Report Form" gehen.

Es handelt sich um ein Excel-Formular, welches man direkt am PC ausfüllen und dann per e-mail (Adresse siehe weiter unten) versenden kann. Hierbei sollte man in das Betreff-Feld der e-mail das Wort "GAR", die Registrierung des Flugzeugs und den Namen sowie ggf. den ICAO-Code des betroffenen Flugplatzes in UK schreiben. Leider ist das Excel-Sheet eher schlecht gemacht und birgt etwas Frustrationspotenzial.

Achtung: die Versendung des GAR per Fax ist mittlerweile nur noch als Notlösung zugelassen. Außerdem werden nicht leserlich per Hand ausgefüllte GARs nicht akzeptiert. Dazu kommt, dass es das nunmehr gültige Format des Formulars (mit seinen sehr schmalen Zeilen) sehr schwierig macht, dies leserlich auszufüllen (zumal wenn es danach gefaxt wird!). Also wie gesagt: eher nicht empfohlen (wenn man allerdings ohne Computer oder Tablet auf Reisen unterwegs ist, bleibt es unter gewissen Umständen manchmal der einzige Weg).

Darüber hinaus gibt es nun allerdings seit einiger Zeit die bequeme Möglichkeit der Online-Aufgabe; siehe dazu etwas weiter unten.

Die (wichtigen) offiziellen Ausfüllhinweise zum GAR gibt es ebenfalls unter oben aufgeführtem Link, siehe dort "General Aviation Report Guidance" (dazu später noch mehr).

Der Sinn dieser "Voranmeldung" liegt darin, den Behörden Zeit zu geben, um bei Zweifeln Rückfragen zu stellen oder um persönlich zum betroffenen Flugplatz zu kommen um entsprechende Kontrollen vor Ort vorzunehmen. In den allermeisten Fällen wird aber entschieden, nicht zu kommen. Dies ist völlig normal und sollte nicht verwundern; die Zollkontrolle / Einreise ist dann damit ebenfalls erledigt und man muss dann nichts weiteres mehr tun. Aber absenden muss man das GAR auf jeden Fall. Vergessen Sie dies nicht! Denn Flüge, die OHNE aufgegebenes GAR in UK ankommen sind ein "rotes Tuch" für die britischen Behörden, und führen stets dazu, dass man Sie (auf Basis der Flugplandaten) am Zielplatz erwarten und eine äußerst genaue, langwierige und vielleicht auch unfreundliche Kontrolle und Befragung durchführen wird. Also: nicht vergessen!

Was aber tun, wenn sich mal der Abflug verzögert, und somit die Ankunftszeit auf dem GAR nicht mehr stimmt? Kein Problem, denn die tatsächlichen Uhrzeiten werden von den Behörden bei Interesse ohnehin den Flugplandaten entnommen. Wichtig ist stets, dass überhaupt ein GAR für den richtigen Tag vorliegt. Dennoch gibt es u.a. für Mitteilungen von Änderungen und anderen dringlichen Dingen auch eine telefonische Helpline der UK Border Force. Diese lautet:

+44(0)8457231110

Man soll sie aber nur für "Notfälle" verwenden, also wenn es wirklich kurzfristig eine wesentliche Planänderung geben sollte. Außerdem gibt es diese Möglichkeit nur für Mitteilungen, die die UK Border Force betreffen, also vor allem für Flüge von Kontinentaleuropa nach UK.

Aber, ganz wichtig: die Wirkung eines an die UK-Behörden gesendeten GAR-Formulars beschränkt sich nur auf das Vereinigte Königreich. Es befriedigt also nur die Anforderungen der Behörden in UK. Man darf daher nicht den Fehler begehen, zu denken, durch das Aufgaben des UK-GAR würden auch die vom Flug betroffenen Behörden außerhalb von UK benachrichtigt; das ist grundsätzlich erst einmal nicht der Fall.

Zur Klarstellung: Für Flüge zwischen England, Schottland und Wales sind selbstverständlich keinerlei Grenz- oder Zollformalitäten notwendig. Aber: für Flüge von z.B. England nach Nordirland - obwohl Nordirland ja Teil von UK ist - allerdings schon (mehr dazu weiter unten).

Der Standardfall: Flüge zwischen Europa und UK

Vor der Einreise von einem EU-Land (außer Irland) kommend (d.h. z.B. Deutschland, Belgien, Niederlande, Frankreich, etc.) muss das ausgefüllte GAR mit einer Vorlaufzeit von mindestens 4 Stunden (gegenüber der erwarteten Landezeit in UK) an die so genannte "National Coordination Unit" (NCU) gesendet werden. Diese leitet die Infos dann an die lokal (für den Landeort) zuständige Einheit der UK Border Force weiter, welche unter sich den Zoll und die Einreisebehörde vereint. Die Kontaktdaten der NCU lauten:

email: ncu@hmrc.gsi.gov.uk
Fax: 0044 1708862521 (wie oben gesagt: nur als Notlösung)

Wichtig: es gibt bei Versendung per email keinerlei Bestätigung von Seiten der NCU.

Wichtig: man muss ein solches GAR auch dann absenden, wenn man über einen offiziell als "für Einreisezwecke designierten" Flugplatz nach UK einreist. (Ob und wie genau ein Platz "designiert" ist, geht aus dem Guidance Dokument zum GAR hervor, siehe weiter oben). Der einzige Unterschied besteht schlicht darin, dass dann eben KEINE strikten Vorlauffristen gelten. Es muss aber auch bei diesen Plätzen dennoch stets vorab ein GAR versandt werden. Sie sehen also, dass es eigentlich keinerlei praktischen Vorteil hat, bei Flügen von Europa nach UK zunächst einen regulären (und meist etwas teureren) "für Einreisezwecke designierten" Flughafen anzufliegen, denn auch bei kurzfristigeren Flugvorhaben sollte es in den meisten Fällen ja kein Problem sein, die oben genannten vier Stunden Voranmeldefrist einzuhalten.

Wichtig ist außerdem natürlich, dass man beim Abflug vom europäischen Festand aus (also zum Zeitpunkt des "Ausflugs" aus dem EU/Schengen-Raum), bzw. auch bei der Rückkehr in den EU/Schengen-Raum dort einen Flugplatz nutzt, der die notwendige Passkontrolle und Zollkontrolle ermöglicht. Wichtig: Seit dem 01.01.2021 reicht es nicht mehr, einen der vielen Flugplätze in Deutschland zu nutzen, die NUR Grenzpolizeistelle (aber nicht Zollstelle) sind!

Auch bei Flügen von und nach Frankreich gilt nun, dass der französische Platz Zoll und Einreise haben muss. Das ist aber recht einfach, denn es gibt ohnehin dort keine Plätz, die nur Einreise und nicht Zoll ermöglichen (anders herum schon). Also: für Flüge von und nach Frankreich dort nur Plätze nutzen, die "point de passage frontalier" sind.

Achtung in diesem Zusammenhang: Frankreich hat 2012 einer ganze Reihe von mittelgroßen Fluglätzen diesen Status aberkannt. Daher unbedingt prüfen, ob auf dem geplanten Platz tatsächlich die Ausreise bzw. Einreise gemacht werden kann (NOTAMs checken!). Außerdem gilt mittlerweile für die meisten diese Plätze in Frankreich (aber auch andernorts), dass die Ein- oder Ausreise zwar grundsätzlich möglich ist, dies aber ungedingt vorab angemeldet werden muss. Beliebte französische Zollplätze direkt am Kanal sind: Calais (LFAC), Le Touquet (LFAT), Le Havre (LFOH), Deauville (LFRG), Caen (LFRK), Cherbourg (LFRC) und Dinard (LFRK); aber wie gesagt: bei praktisch allen ist für die Ein-/Ausreise mittlerweile eine Voranmeldung (teilweise zumindest offiziell mit 24 Stunden Vorlauf!) notwendig. Eine aktuelle und offizielle Liste der zulässigen Grenzübergangspunkte in Frankreich ("points de passage frontaliers") findet sich hier.

Auch die Niederlande und Belgien verlangen seit ein paar Jahren bei Flügen von und zu den Britischen Inseln (und alle anderen Ziele außerhalb Schengens) eine Art Gendec. Hierfür gibt es mittlerweile sogar jeweils ein Portal, mit dem man das Gendec online ausfüllen kann. Siehe für NL hier: www.gendec.eu und für BE hier: www.generaldeclaration.be. Alles recht umständlich und nervig. Aus diesem Grund und aufgrund der allgemein recht hohen Gebühren und Treibstoffkosten kann ich die Niederlande als Zwischenstopp für Flüge von und zu den Britischen Inseln nicht empfehlen und auch Belgien und Frankreich nicht mehr so sehr. Am einfachsten ist es wirklich, wenn man direkt von bzw. nach Deutschland auf einen richtigen Zollflughafen fliegt, weil dann vorab gar keine Formalität notwendig ist.

Flüge von UK nach Europa

Beim Ausflug aus UK in Richtung der EU hingegen (mit der Ausnahme Irland) ist für die britischen Behörden keinerlei Grenzformalität notwendig und man kann von jedem CoA-Platz starten, ganz ohne GAR! Eine große Erleichterung für die GA. Wenn man z.B. von Deutschland nach England fliegt und ein paar Tage später wieder zurück, so reicht es, einmalig ein GAR (für die Einreise, also "inbound") zu machen; für den Rückflug ist keins notwendig.

Aber: Am "europäischen" Ende eines solchen Fluges muss natürlich zunächst stets wieder zwecks Einreise in die EU und in den Schengen-Raum auf einem Platz gelandet werden, welcher dafür zugelassen ist. Dessen Regelungen sind wiederum zu beachten. Die Niederlande und auch Belgien fordern wie schon gesagt eine schriftliche Anmeldung.

Und nun die Spezialfälle:

Flüge zwischen Großbritannien und den Channel Islands, der Isle of Man, Irland, Nordirland sowie anderen Nicht-EU-Ländern (z.B. auch den Faröer Inseln und Island)

Für Flüge von und zu diesen Zielen gibt es in UK etwas weiter gehende Regelungen. Und ab hier wird es leider etwas kompliziert...

Allgemein sind alle Regelungen und Pflichten ganz offiziell in den Ausfüllanweisungen zum GAR aufgeführt. Das Dokument ist aber etwas schwer zu lesen; daher hier mein Versuch, das Ganze mit meinen Worten halbwegs verständlich und übersichtlich zusammenzufassen

Grundsätzlich hängt aus der Kombination von Startland und Zielland ab, welche Stellen mit wie viel Vorlauf benachrichtigt werden müssen und welche Flugplätze dann benutzt werden dürfen.

Es kommt nämlich bei einigen Flügen nun neben dem Zoll und der Einreisebehörde (zusammen die "Border Force") noch die Polizei als weitere Behörde ins Spiel.

Außerdem kommt hinzu, dass für Flüge, die zwischen Großbritannien auf der einen Seite sowie Irland, Nordirland, der Isle of Man, den Channel Islands sowie allen anderen Nicht EU-Ländern auf der anderen Seite für die Versendung des UK-GAR grundsätzlich deutlich längere Vorlauffristen bestehen. Und zwar:

Für Flüge zwischen UK und den Kanalinseln: 12 Stunden vorher, an die NCU (welche an den Zoll, die Einreisebehörde und die Polizei* weiterleitet). Wie gesagt: dies gilt für die UK-Seite. Außerdem dürfen bei solchen Flügen auf der UK-Seite streng genommen ausschließlich solche Plätze verwendet werden, die entweder "Customs-designated" sind oder solche, die zumindest ein spezielles Abkommen mit der UK Border Force, ein so genanntes "Certificate of Agreement" haben (dei allermeisten "unlizensierten" Flugplätze kommen somit für diese Flüge nicht in Frage). Die Details dazu, welche Plätze "customs-designated" sind, und welche ein CoA haben, gehen wiederum aus den Ausfüllanweisungen zum GAR hervor. (Hinweis: in der Praxis ist es so, dass wenn man rechtzeitig und korrekt das GAR verschickt, auch dann wenn man einen UK-Platz ohne "Certificate of Agreement" verwendet, die Behörden keine Einsprüche äußern).

*Wenn der auf UK-Seite verwendete Platz "police-designated" ist, wird das GAR übrigens gar nicht an die Polizei weitergeleitet; es bleibt aber effektiv dennoch bei der 12-Stunden GAR-Pflicht aufgrund des entsprechenden Border Force-Requirements.

Für Flüge zwischen UK und der Isle of Man: Wenn der auf UK-Seite verwendete Flugplatz eine "Police-Designation" hat (siehe Auflistung in den GAR-Instructions), ist für die UK-Behörden gar kein GAR notwendig. Wenn er keine hat, dann ist das GAR mit 12 Stunden Vorlauf an die NCU zu senden (damit diese es an die an die Polizei weiterleitet). Es darf aber in jedem Fall auf UK-Seite jeder beliebige Flugplatz verwendet werden.

Für Flüge zwischen Großbritannien und Nordirland: Dies ist ein Spezialfall. Bekanntlich ist Nordirland ja Teil von UK. Und dennoch ist bei Flügen zwischen Großbritannien und Nordirland (und anders herum) in der Regel ein GAR notwendig! Es ist der einzige Fall für Flüge innerhalb von UK, wo dies der Fall ist. Dabei stellt sich die Frage: ist ein Flug z.B. von England nach Nordirland auf dem GAR nun als "inbound" oder "outbound" zu kennzeichnen? Antwort: outbound (es wird also in diesem Fall stets die "Perspektive" Großbritanniens eingenommen).

Wenn sowohl der Platz auf GB-Seite, als auch der Platz auf NI-Seite eine "Police-Designation" haben (siehe Auflistung in den GAR-Instructions), ist gar kein GAR notwendig. Wenn zumindest auf einer Seite der verwendete Platz keine Police-Designation hat, dann ist das GAR mit 12 Stunden Vorlauf an die NCU (zur Weiterleitung an die entsprechende Polizeistelle) zu senden. Es darf aber dann grundsätzlich auf beiden Seiten jeder beliebige Flugplatz verwendet werden. Also nochmal: wenn auf nordirischer Seite ein Platz verwendet wird, der nicht "police-designated" ist; muss ein GAR (via NCU) an die nordirische Polizeistelle gehen. Ist der auf GB-Seite verwendete Platz nicht "police-designated", muss ein GAR (via NCU) an die zuständige Polizeistelle in Großbritannien gehen. Wenn beide Plätze keine "police-designation" haben, geht es an beide Polizeistellen.

Anmerkung: Die im Zusammenhang mit Flügen nach Irland und Nordirland involvierte Polizeistelle der Briten nennt sich "special branch", daher hört man diesen Begriff gelegentlich.

Für Flüge zwischen UK und der Republik Irland: Hier hängen die Anforderungen davon ab "in welche Richtung" der Flug stattfindet.

1. Von UK nach Irland: Wenn der auf UK-Seite verwendete Flugplatz eine "Police-Designation" hat (siehe Auflistung in den GAR-Instructions), ist kein GAR notwendig. Wenn er keine hat, dann ist das GAR mit 12 Stunden Vorlauf an die NCU (zur Weiterleitung an die Polizei) zu senden. Es darf aber auf UK-Seite jeder beliebige Flugplatz verwendet werden.

2. Von Irland nach UK: 12 Stunden vorher, an die NCU (zur Weiterleitung an Border Force und die Polizei*). Es darf auf UK-Seite jeder beliebige Flugplatz verwendet werden.

*Wenn der auf UK-Seite verwendete Platz "Police-designated" ist, wird das GAR übrigens gar nicht an die Polizei weitergeleitet, sondern dann nur an die Border Force. Ausschließlich in diesem Fall reduziert sich dann die Vorlauffrist auf 4 Stunden.

Bei Flügen zwischen UK und Nicht-EU-Ländern außer den Kanalinseln und der Isle of Man (also letztlich relevanterweise quasi nur: der Schweiz, Island und Norwegen) gelten für das GAR sogar 24 Stunden Vorlaufzeit; es muss also noch langfristiger geplant werden. Das gilt zuimdest für die meisten typischen GA-Plätze, welche "nur" ein so genanntes "Certificate of Agreement haben". Plätze mit "Customs-Designation" (meist die etwas größeren) können für solche Flüge auch ohne Einhaltung der o.g. Frist genutzt werden.

Allgemein kann man sich merken:

Ein GAR ist notwendig bei allen Flügen zwischen UK auf der einen und einem anderen Land auf der anderen Seite. Außerdem bei Flügen zwischen Großbritannien und Nordirland (was ja ein "UK-interner" Flug ist). Die einzige Art von Flug, bei dem gar kein GAR notwendig ist, ist jener von UK in Richtung EU (mit der genannten Ausnahme Irland).

Bei Flügen von und zu den Faröer Inseln ist zu bedenken, dass diese (im Gegensatz zur Schweiz, Island und Norwegen) außerdem auch kein Schengen-Mitglied sind.

Allgemeine Hinweise zum GAR

Die in einigen speziellen Fällen einzuhaltende 12-Stunden-Frist ist nicht zu unterschätzen. So muss man "auf Tour" manchmal sehr gut (sprich: schon am Vorabend) vorausplanen, damit man nicht doch irgendwann mal irgendwo hängen bleibt, nur weil nicht rechtzeitig das GAR versendet wurde. Und dies ist natürlich gerade bei dem launischen britischen Wetter manchmal nicht ganz leicht. Daher: immer eher optimistisch planen und dann ggf. das Vorhaben (und das GAR) wieder canceln. Es ist aber nie zu vergessen, dass man, wenn alle Stricke reissen, natürlich stets einen entsprechend "designierten" Platz anfliegen kann, ohne dass dann eine strikte Vorlauffrist für das GAR besteht.

Einige Flugplatz-Betreiber bzw. Handling-Agents verlangen, dass der Pilot zusätzlich auch direkt an sie eine Kopie des GAR sendet, damit diese sich davon überzeugen können, dass der Pilot alle seine Pflichten dieser Art getan hat bzw. diese ihrerseits das Formular an die lokalen Behörden weiterleiten können. Allerdings: dazu haben die Flugplätze genau genommen - allein schon aus Datenschutzgründen - kein Recht. Daher: wenn man Sie dennoch beim PPR-Anruf auf eine Kopie des GAR ansprechen sollte, sagen Sie bestimmt aber höflich, dass Sie sich schon selbst um die Versendung des GAR kümmern werden. Wenn das denen nicht ausreicht, dann schicken Sie eben - um langen Diskussionen aus dem Weg zu gehen - dem Platz eine Kopie ihres GARs und fertig.

In keinem Fall aber muss man (bei Privatflügen) nach der Absendung des GAR auf eine Bestätigung oder gar auf eine Genehmigung des Fluges warten (auch dann nicht, wenn die Polizei involviert ist). Es ist ausreichend, das GAR rechtzeitig versendet zu haben. Auch wenn irgend jemand einmal etwas anderers behaupten sollte: der Pilot hat mit der rechtzeitigen Absendung des GAR seine Pflicht getan und braucht keine weitere explizite Genehmigung. Punkt. Nur dann, wenn man einmal nicht in der Lage sein sollte, die vorgegebene Frist einzuhalten, man aber dennoch auf einem nicht entsprechend "designierten" Platz landen möchte, ist es sinnvoll, bei der oder den bertroffenen Behörden anzurufen, da dann häufig trotzdem grünes Licht gegeben wird.

Online-Aufgabe des GAR

Einige Zeit wurde daran gearbeitet; seit 2014 ist es Realität: man kann seitdem alternativ zur etwas umständlichen e-mail das GAR auch direkt online auf einem Webportal ausfüllen und versenden.

Das Tool "OnlineGAR" ermittelt (entsprechend Startflugplatz und Zielflugplatz) alle notwendigen finalen Empfänger (bei den UK-Behörden sowie den Behörden der Isle of Man) automatisch. (Allerdings muss man auch weiterhin auf die Einhaltung der Fristen achten; daher muss man sich letztlich doch ausreichend gut mit der ganzen Thematik auskennen.)

Hier der Link zu dem recht professionell gemachten, HTML-basierten Web-Portal zur Online-Aufgabe:

> www.onlinegar.com < 

Hierfür ist eine kurze Registrierung notwendig. Aber: es lohnt sich, denn die Seite ist sehr bequem und benutzerfreundlich. Das System ist vollständig mit den UK-Behörden (Immigration, Customs und Police) vernetzt und abgestimmt und daher als absolut "offiziell" zu bezeichnen. Nach Aufgabe oder Streichung von GARs bekommt man stets gute, verständliche Bestätigungs-Emails, was sehr wichtig ist. OnlineGAR ist mittlerweile auch mit der Isle of Man vernetzt, sendet es also auch an die dortigen Behörden.

Kleiner Nachteil: Dieser Service ist nicht kostenlos und kostet umgerechnet knapp gute 3 Euro pro aufgegebenem GAR (nur insofern dies danach vor dem Flug nicht mehr gecancelt wurde). Man bekommt aber bei der Registrierung zunächst mal drei kostenlose "Credits" geschenkt.

Weitere Vorteile jedoch: es ist die Speicherung von Flugzeugdaten und Personendaten möglich; d.h. wiederholte GARs lassen sich in wenigen Minuten komplettieren und versenden. Meiner Meinung nach ist onlinegar.com für Leute, die nur ganz gelegentlich in UK fliegen sehr zu empfehlen, da man sich gegenüber den klassischen Methoden im Zweifel einiges an Frust und Ärger spart. Auch das Canceln eines GARs ist über dieses Portal elegant möglich.

Wenn man das GAR über das Online-Portal aufgegeben hat, braucht man auch keinen Ausdruck des GARs mit sich zu führen. Es reicht (und ist sogar aussagekräftiger), wenn man die vom Portal vergebene Vorgangsnummer parat hat.

Das System von onlinegar.com wurde übrigens auch in Skydemon integriert: d.h. dass Skydemon-User das GAR ganz bequem aus dem Programm heraus (parallel zum Flugplan) aufgeben können und dafür auch keine Credits von seinem OnineGAR-Account verbrauchen. Auch via Rocketroute und Autorouter lassen sich GARs verschicken (wobei Autorouter nicht mit Online-GAR vernetzt ist, sondern lediglich die klassische email an die Adresse der NCU verschickt).

So, und - um es wohl noch etwas komplizierter zu machen - seit Anfang 2019 gibt es nun auch die Möglichkeit, das GAR kostenlos direkt bei den britischen Behörden online aufzugeben. Kick hier

> Kostenlose Online-Aufgabe des GARs direkt bei den britischen Behörden < 

Hierfür muss zunächst kurz eine Anmeldung durchführen. Danach gibt man die für das GAR notwendigen Informationen Schritt für Schritt und verschickt es dann. Ein zwischenzeitliches Speichern ist möglich. Weitere Praxiserfahrungen habe ich mit diesem Portal bisher noch nicht gemacht. Es soll aber alles noch etwas hakelig sein und nicht mit allzu viel Sachverstand programmiert.

Abschließend zum Thema "Online-Aufgabe des GAR": Langfristig wird die Online-Aufgabe wohl die einzig mögliche Art der Aufgabe des GAR sein. Schon heute ermutigen die Behörden die Piloten, ausschließlich nur noch das Online-Tool zu verwenden. Bisher "funktioniert" allerdings nach wie vor auch das klassische Versenden via email (und zur Not sogar per Fax).

Leider aber hat die Einführung dieses Tools zumindest bisher nicht dazu geführt, dass die derzeit geltenden Vorlauffristen in irgend einer Weise verkürzt wurden. Dies war natürlich die große Hoffnung der Piloten, welche aber enttäuscht wurde. Möglicherweise wird das aber in Zukunft noch kommen.

Republik Irland

Zur Erinnerung: Irland ist zwar EU-Mitglied, hat aber (genau wie UK) das Schengener Abkommen nicht vollständig umgesetzt, so dass die Grenzkontrollen nicht weggefallen sind.

Was die Einreise nach Irland betrift, so gibt es dort grundsätzlich eine gute handvoll Flugplätze, an denen man ganz offiziell einreisen kann. Es handelt sich hier weitgehend um jene Plätze mit Kontrollzone. Allerdings ist auch hier teilweise eine Voranmeldung für die Einreise vom Flughafen gewünscht.

Darüber hinaus können aber auch die meisten übrigen Kleinflugplätze aus der EU kommend direkt angeflogen werden, wenn man - in diesem Fall meist 24 Stunden vor der Landung den Flug bei der irischen Zollbehörde anmeldet. Es gibt dafür ein sehr ähnliches Formular wie bei den Briten*:

Irisches Customs & Excise-Formular 

Allerdings ist dies in Irland nicht auf nationaler Ebene und ganz so genau gesetzlich geregelt. Jeder Platz hat prakisch seine eigene Regelungen; es gibt keine nationale Gesetzgebung, die z.B. die Verwendung des obigen Formulars stützt. Bei Unklarheiten kann man sich auch telefonisch unter 00353 (0) 878061726 beim Zoll melden, oder man informiert sich vorab bei dem entsprechenden irischen Zielflugplatz über die geltenden Prozeduren. In jedem Fall aber sollte man nicht den Fehler begehen, zu denken, man habe (z.B. bei einem Flug von UK in die Republik Irland) mit der Versendung des GAR-Formulars z.B. über onlinegar.com schon alles erledigt. Denn dieses geht erstmal *nur an die britischen Behörden*. Nutzt man aber auch auf der irischen Seite einen Nicht-Zollplatz, so müssen natürlich auch die dortigen Behörden vorab informiert werden. Das gilt natürlich auch anders herum, also für eine Flug von der Republik Irland in Richtung UK.

Die Regelungen zur Ein- und Ausreise an den kleineren irischen Plätzen sind insgesamt viel uneinheitlicher geregelt als in UK. Wie gesagt: man sollte sich diekt bei dem entsprechenden Flugplatz informieren, was gemacht werden muss und welche Fristen gelten. Tendenziell werden die Dinge von den Behörden in Irland etwas lockerer genommen, als dass in UK der Fall ist, so dass man diesbezüglich in Irland meist keine Probleme hat, auch wenn die 24-Stunden-Frist einmal nicht ganz eingehalten werden kann. Man sollte aber nicht abends um 20 Uhr ein Fax senden (wenn es niemand mehr sieht), wenn man am kommenden Morgen um 8 Uhr landen möchte... logisch!

*Dies ist eigentlich kein "offizielles" und landesweites Formular oder Verfahren. Es funktioniert aber trotzdem. Ganz pragmatisch gesehen kann man natürlich auch einfach nur eine Kopie des britischen GARs an die Iren senden; so spart man sich das Übertragen der Daten auf ein neues Formular (der Inhalt ist schließlich identisch). Hauptsache, man meldet sich überhaupt mit den entsprechenden Daten an.

Die Kanalinseln / Channel Islands

Auch hier darf man nicht den Fehler begehen, zu denken, man habe (z.B. bei einem Flug zwischen UK und den Kanalinseln) mit der Versendung des (UK-) GAR-Formulars (z.B. über onlinegar.com) schon alles erledigt. Denn dieses geht wie gesagt erstmal nur an die britischen Behörden. Die Kanalinselstaaten Jersey auf der einen, sowie Guernsey und Alderney auf der anderen gehören per se nicht zum Vereingten Königreich und haben deshalb ihre ganz eigenen Zoll- und Einreiseformalitäten!

Allerdings ist auf den Channel Islands die Zoll- bzw. Einreiseangelegenheit vergleichsweise sehr einfach, denn auch dort füllt man zu Zoll- und Einreisezwecken einfach ein dem UK-GAR sehr ähnliches Formular aus (das Verschicken einer Kopie des UK-GAR ist als Dokument auf den Kanalinseln nicht ausreichend). Und: es gibt dort keine strikte Vorlauffrist für die Absendung. Auch für den Abflug ist übrigens jeweils ein solches Formular notwendig. Denn: Die Channel Islands sind nicht Teil des Schengen-Raums. Dafür gehören sie aber zum Zollgebiet der EU. Verwirrend, ich weiß.

Der Staat Jersey erlaubt zwar noch keine (mit UK vergleichbare) automatisierte Online-Aufgabe seines GARs (welches dort übrigens eher als "Gendec" bezeichnet wird), aber zumindest eine Art e-mail-Versendung mittels eines JavaScript-Macros (man muss das pdf dafür zunächst lokal speichern!). Aber wie gesagt: es gibt hier keine konkrete Vorlauffrist, sondern es reicht, das GAR vor dem Abflug Richtung Jersey bzw. vor Abflug in Jersey abzuschicken. Zur Not reicht es aber gar auch, wenn man das GAR nach der Landung auf Papier bei OPS oder seinem Handling-Agent einreicht/ausfüllt.

Ähnlich läuft das ganze auf Guernsey und Alderney (die Insel Alderney gehört verwaltungstechnisch zur Vogtei Guernsey), wobei dort keine E-mail-Versendung vorab möglich ist. Hier sind alle diesbezüglichen Infos sowie das entsprechende Formular zur Verfügung gestellt. Das Formular kann auch erst vor Ort eingereicht werden. Für Flüge zwischen Guernsey und Alderney ist logischerweise kein GAR notwendig.

Zusammengefasst: wie gesagt, die Zoll- und Einreisethematik auf den Kanalinseln selbst ist easy zu managen. Die Herausforderung liegt daher eher darin, zu beachten, was andere Länder ihrerseits fordern, wenn von Ihnen aus auf die Kanalinseln fliegt oder daher kommend einfliegen will. Was das Vereinigte Königreich fordert, ist ja etwas weiter oben geschildert. In anderen Ländern wie Frankreich oder Irland ist es alles etwas einfacher, man muss schlicht und einfach vorher (bzw. nachher) ein "Zollflughafen" verwenden und fertig.

Isle of Man

Der Airport der Isle of Man (Ronaldsway, EGNS) ist ein Speziallfall, da er zwar Zoll und Immigration hat, allerdings keine Polizei. Daher muss man bei solchen Flügen, die polizeilich relevant sind (also solchen von und nach Irland, Nordirland, Großbritannien und den Kanalinseln) auch hinsichtlich der Isle of Man die 12-Stunden-Frist berücksichtigen.

Das GAR der Isle of Man kann man hier downloaden.

GARs an die Isle of Man sind zu senden an:

Fax: 0044 1624 648183
email: iomflightgar@gov.im

Im Gegensatz zu den Kanalinseln ist die Isle of Man Teil einer Zollunion mit dem Vereinigten Königreich. Daher kann man eben (wie weiter oben schon angeführt) bei Flügen zwischen der Isle of Man und dem Königreich (auf UK-Seite) jeden beliebigen Platz verwenden, solange man dies per GAR mit 12 Stunden Vorlauf so anmeldet.


© Philipp Tiemann