Flugvorbereitung/Bloß nicht...
Bloß nicht...

Wie überall gibt es auch beim Fliegen in UK ein paar klassische „do’s & don’ts“. Hier die „don’ts“ :

Bloß nicht…

... die britischen Eigenheiten, sowohl in der Luft als auch am Boden, mißachten.

... die Luftraumstruktur mißachten. Diese ist in vielen Aspekten etwas anders als z..B. in Deutschland. Daher sollte man im Vorwege mit aller Ruhe die AIP, die Karten (und diese Website:-)) studieren und erst dann losfliegen, wenn man die Implikationen der Luftraumstruktur für den geplanten Flug auch wirklich vollständig verstanden hat. Es ist in praktischer Hinsicht darüber hinaus schon fast obligatorisch, ein gutes GPS mit Moving Map zu haben, welches man auch sicher bedienen kann. Und bedenken Sie: Funkkontakt mit FIS oder LARS schützt nicht vor etwaigen Luftraumverletzungen, da man nicht davon ausgehen kann, gewarnt zu werden!).

… die NOTAMs vernachlässigen. Gilt eigentlich überall gleichermaßen, aber insbesondere in UK werden recht häufig temporär zusätzliche kontrollierte und beschränkte Lufträume eingerichtet, über die man dann erst durch ein gründliches NOTAM-Briefing erfährt.

...bei einer ausgedehnten Reise quer über die Britischen Inseln (also wenn man u.a. auch zwischen Großbritannien, Irland, Nordirland, der Isle of Man und den Kanalinseln hi- und her fliegen möchte) allzu kurzfristig planen. Das Problem sind dann nämlich die GAR-Fristen (siehe Abschnitt "Zoll & Einreise"). Wenn man hier nicht etwas vorausschauend agiert, kann es sein, dass man dann festsitzt, weil die Fristen für die Grenzformalitäten nicht mehr eingehalten werden können. Daher: immer flugtechnisch einen Tag vorausplanen (auch wenn das Wetter diess manchmal schwierig macht).

… den britischen Tagesrhythmus missachten: Der Arbeitstag der Briten endet in der Regel schon am späten Nachmittag. Das führt dazu, dass viele Geschäfte und öffentliche Einrichtungen schon um ca. 17 Uhr oder spätestens 18 Uhr geschlossen sind. Das gilt auch für das Fliegen. Soll heißen: kleinere und mittelgroße Flugplätze schließen oft um diese Uhrzeit; selbst im Sommer! Die dazu gehörende Tankstelle manchmal sogar noch etwas früher.

... vergessen, PPR zu beantragen. Wie in dem entsprechenden Abschnitt ausgeführt, sind in UK fast alle Flugplätze PPR und dies wird überwiegend sehr ernst genommen - es ist ein wenig der heilige Gral des Fliegens in UK. Mit einem kurzen Anruf ist die Sache allerdings meist erledigt, also kein Problem.

... Grasplätze unterschätzen. Durch das insgesamt eher feuchte und kühle Klima tendieren die meisten Graspisten in UK (und natürlich auch Irland) dazu, häufig weich zu sein, was unter Umständen zur Verdoppelung der Startstrecke führen und auch Landungen recht tricky machen kann. Insbesondere im Frühjahr sind nach meiner Erfahrung die meisten Graspisten sehr weich (und manchmal gar völlig unter Wasser!). Aber auch in den anderen Jahreszeiten können sie nach längeren Regenfällen unbrauchbar werden. Dieser Hinweis gilt freilich nicht nur für die unlizensierten Plätze bzw. "farm strips", sondern im Prinzip auch für lizensierte Graspisten. Allerdings haben Letztere in der Regel etwas aufwendigere Drainagesysteme. Obige Warnung gilt natürlich auch beim Parken auf unbekannten Flächen - gut möglich dass Sie da wenig später nicht mehr herauskommen!

… den Wind unterschätzen. Das Klima ist stark durch den Atlantik geprägt. Somit hat man es bei durchaus fliegbaren VFR-Bedingungen sehr häufig mal mit 20-30 Knoten zu tun, gelegentlich auch mit mehr. Ist dort ganz normal.

… die Warnweste ("High-Vis") vergessen. Viele mittelgroße und große Plätze bestehen leider auf der Airside darauf, und zwar meist sowohl für Piloten als auch für die Passagiere....

... mit Haustieren per GA nach UK fliegen. Das ist nämlich de facto verboten. Wenn überhaupt dann bitte nur über kleine oder kleinste Plätze einfliegen!

... auf den Londoner Großflughäfen (plus einer knappen handvoll weiterer Plätze) landen... denn dann kann es durchaus vierstellig werden!

… die Berge und das Wetter der Highlands unterschätzen.

... ganz ohne Bargeld in britischer Währung nach UK fliegen. Nicht immer hat man sofort einen Geldautomaten zur Hand und nicht immer kann man alles mit Kreditkarte bezahlen. Man sollte daher idealerweise auf einem Flug nach UK mindestens ca. 50 Pfund (am besten in kleiner Stückelung) dabei haben; genug um erstmal eine Landegebühr und ein Landebier bezahlen zu können, sowie ein Taxi in die nächste Stadt.

... das Essen auf den Britischen Inseln allzu sehr verteufeln. Insbesondere Seafood, Spare Ribs, Steaks, Suppen und Gebacö habe ich UK meist sehr gut gegessen. Auch indisches Essen etc. ist dort häufig besser als an vielen anderen Orten Europas. Natürlich gibt es häufig auch noch wirklich schlechtes Essen, aber wenn man die Augen offen hält und gut aussucht, ist es wirklich meist eine positive Überraschung.

... in UK stets ein allzu hohes Niveau der Dienstleistungen erwarten. Was viele nicht wissen: in vielerlei Hinsicht ist das Königkreich kein ganz so weit entwickeltes und wohlhabendes Land wie z.b. Deutschland, die Schweiz und Österreich. Das merkt man hier und da (sowohl luftfahrtbezogen als auch anderweitig) vor allem bei der Qualität der Dienstleistungen, sowohl privatwirtschaftlich als auch öffentlich. Auch die bauliche Qualität (inbesondere Sanitär etc.) ist teilweise abenteuerlich. Leute - das ist eben so. Genießt die Zeit!

.... vergessen, nach Ende der Reise für das in UK gekaufte und exportierte Avgas den "duty brawback" zu machen. Bares Geld...

... und zu guter letzt...

… bloß nicht zu sehr "den Deutschen" heraushängen lassen, insbesondere in England. Auch mit unangebrachten Sprüchen kann man es sich schnell verscherzen.

Ach ja und... ...niemals die britische Höflichkeit vermissen lassen! ;-)


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