Flugvorbereitung/Sprit
Treibstoffversorgung / Tanken in UK (Preise Stand Sommer 2022, Umrechnungskurs: 1 Pfund = 1,18 Euro)

1) AVGAS 100LL

Da die allgemeine Luftfahrt in Königreich seit dem Zweiten Weltkrieg fest in der Gesellschaft verankert und landesweit recht gut vertreten ist, ist auch die Versorgung mit AVGAS 100LL überwiegend hervorragend. Soll heißen: sie ist mindestens mit der in Deutschland vergleichbar. Einzige Ausnahme: in Teilen Schottlands, z.B. auf den Hebriden, gibt es aus logistischen Gründen mancherorts kein Avgas, so dass man dort schon etwas genauer planen muss. (Mogas gibt es in UK und Irland hingegen nur an sehr wenigen Stellen offiziell zu kaufen.)

Das Preisniveau bei 100LL liegt (mit ein paar interessanten Ausnahmen, siehe weiter unten) auf deutschem Niveau. Es gibt aber allgemein bei den Preisen eine etwas größere Streuung, so dass Allgemeinaussagen kaum möglich sind. Die günstigsten (voll versteuerten) Preise liegen derzeit bei umgerechnet ca. 2,40 Euro; die höchsten Preise liegen bei ca. 3,30 Euro pro Liter. (In Schottland sind die Preise teilweise noch höher; Schottland ist, was Sprit angeht, allgemein teurer als der Rest von UK).

Der Durchschnittspreis liegt in UK derzeit umgerechnet bei vielleicht ca. 2,90 Euro, ist also allgemein einen ähnlich teuer wie in Deutschland. Aber wie gesagt, die Streuung ist recht groß. Daher lohnt es sich schon, sich vorab ein bisschen nach den Preisen umzuschauen. Außerdem kommt dann noch das Thema "Duty Drawback" (siehe weiter unten) hinzu, womit man richtig Geld sparen kann. Auch auf den nahen Kanalinseln ist Avgas günstig (weil von vorne herein steuerbefreit.

Eine stets recht vollständige und aktuelle Auflistung der 100LL-Preise gibt es im Forum der britischen Fliegerzeitschrift "Flyer" (geordnet nach Preis):

Avgas Price League Table 

Außerdem gibt es innerhalb der Skydemon-App eine immer sehr gut gepflegte Datenbank für Avgaspreise in UK.

In den meisten Fällen gibt es in UK noch einen Betankungsservice, also meist kein Self-Service. Das ändert sich aber langsam, d.h. man muss selbst tanken. In mehr und mehr Fällen (vor allem an reinen GA-Plätzen) kann man mittlerweile auch direkt an einem Terminal mit Kreditkarte zahlen, braucht also keinerlei Personal mehr.

Folgende weitere Tipps:

Channel Islands

Aufgrund ihres Sonderstatus' (kein Mitglied der EU) ist auf allen drei Kanalinseln das Tanken umsatz- und mehrwertsteuerfrei; der Preis in Jersey und Guernsey beträgt umgerechnet ca. 1,95 Euro, wobei AOPA-Mitglieder in Guernsey und Jersey darauf nochmals einen Rabatt von ca. 10 cent bekommen! Alderney ist stets ca. 30-40 cent teurer und es gibt dort auch keinen AOPA-Rabatt. Den Preis in Jersey kann man stets unter https://atf.je/aviation/ einsehen.

Bedenken sollte man allerdings, dass ein reiner Tankstopp auf den Kanalinseln bei einem Flug, sagen wir mal, von Deutschland nach England, einen doch recht großen Umweg bedeutet und daher vielleicht doch nicht so lohnenswert ist wie es zunächst erscheint. Beim Ausflug aus UK (egal wohin) gibt es ohnehin die Möglichkeit, dank Mineralölsteuerabzug und teilweise Mehrwertsteuerabzug den Spritpreis nahezu auf Kanalinsel-Niveau zu reduzieren (siehe dazu den folgenden Abschnitt).

Wenn man aber einen Aufenthalt auf den sehr schönen Channel Islands (siehe den entsprechenden Abschnitt unter "Flugziele"!) ohnehin geplant hat, sollte man vor Ort natürlich auch volltanken. Auch Jet-A ist auf den Kanalinseln unglaublich günstig.

Excise Duty Drawback

Wie in praktisch allen Ländern gibt es auch in UK auf Treibstoffe eine Art Mineralölsteuer ("duty"). Aber bei Flügen von UK ins Ausland ist auf in UK getankten Kraftstoff KEINE Mineralölsteuer fällig. Man kann sich diese für bis zu maximal einen kompletten Tankinhalt im Nachhinein zurückerstatten lassen ("drawback"). Also: wenn man während seines UK-Aufenthalts mehrmals getankt hat, kann man diese Tankmengen zusammenzählen und sich dann darauf die Steuer wiederholen, allerdings maximal nur bis zum maximalen Fassungsvermögen der Tanks. Hat man ingesamt in UK weniger getankt als das maximale Fassungsvermögen, kann man nur die getankte Menge ansetzen.

Dadurch reduziert sich der Treibstoffpreis immerhin mal eben um ca. 45 cent pro Liter!

Und das geht so: ein entsprechendes pdf -Formular ("HO60") ausdrucken, ausfüllen, dies zum HMRC nach Newcastle schicken und ca. 6 Wochen später bekommt man eine Überweisung vom Schatzkanzler Ihrer Majestät. Zeitbedarf: 10 Minuten. Das Ausfüllen des Formulars kann direkt am PC erfolgen. Am Schluss muss man es letztlich aber leider doch wieder ausdrucken und per Post verschicken. Hier der Link:

HO60 - Claim for drawback of duty paid on oils used as fuel on foreign-going aircraft 

(Es gibt dort dort zwei Möglichkeiten; a) Vorgang komplett online erledigen, und b) Antrag am PC ausfüllen, dann ausdrucken und postalisch verschicken. Leider funktioniert a) für Auslandsbürger nicht, daher muss man die zweite Option wählen und das ausgefüllte und ausgedruckte Formular dann am Schluss eben per Post nach England schicken.)

Füllen Sie das Formular Schritt für Schritt aus. Das ist etwas nervig, aber dennoch machbar. Man kann in dem Zuge seine Kontodaten für die Gutschrift eingeben. Außerdem muss man die Details der Tankrechnung(en) eingeben (also Rechnungsgeber, Datum, Treibstoffmenge, etc.) und Kopien der Tankrechnung(en) beifügen. Folgende weitere Tipps:

Die anzusetzende, pauschale "Drawback-Rate" für Avgas beträgt (unabhängig vom effektiv bezahlten Spritpreis) derzeit (seit 2021) exakt 0,382 Pfund pro Liter. Achtung: im Zuge der ukrainebedingten Verteuerung des Rohöls von 2022 wurde die Rate ab dem 23.03. zeitweise auf 0,3629 Pfund gesenkt. Vor einem Drawback bitte unbedingt noch mal die korrekte anzugebende Rate checken, damit der Antrag nicht abgelehnt wird oder man zu wenig angibt.

Da man den Drawback auch auf Treibstoff geltend machen kann, welcher nicht unmittelbar vor Abflug aus UK getankt wurde, gibt es die Möglichkeit, dies auf dem Formular darzustellen.

Der Einfachheit hier noch einmal explizit die Adresse, an die das Formular geschickt werden muss:

HMRC Mineral Oil Reliefs Centre
Local Compliance
BP4002, Benton Park View
Newcastle upon Tyne
NE98 1ZZ
United Kingdom

Zur Info: Einige (wenige) Plätze in UK erlauben es, gleich direkt beim Tankvorgang die Mineralölsteuer vom zu zahlenden Gesamtpreis abzuziehen, wenn man mittels Flugplan nachweisen kann, dass man mit dem kommenden Flug UK verlassen wird. Beispiele solcher Plätze sind Lydd (EGND), Newcastle (EGNT) und Cambridge (EGSC). In Lydd z.B. zahlt man dann derzeit "nur" ca. 2,30 Euro pro Liter. Die aktuellen Preise dort kann man stets hier abrufen: https://www.lydd-airport.co.uk/flying-and-pilot-information/fuel-services/.

Sehr günstigs ist der Sprit (da hier neben der Mineralölsteuer außerdem gleich auch direkt die Mehrwertsteuer abgezogen wird) an ein paar Flugplätzen in Nordirland; in Enniskillen (EGAB) kostet der Liter ca. 2,30 Euro; in Londonderry (EGAE) ist der Preis ähnlich.

Auch an ein paar anderen Plätzen (z.B. Gloucester EGBJ, Cardfiff EGFF, Southend EGMC, Exeter EGTE, Dunkeswell EGTU) wird wiederum (im Fall eines darauf folgenden Ausflugs aus UK) beim Tanken die Mehrwertsteuer direkt abgezogen. Man kann daraufhin dann natürlich noch selbst die Mineralölsteuer "claimen", wodurch man dann ebenfalls mindestens auf das Preisniveau von Nordirland kommt. Warum dieser Mehrwersteuerabzug an einigen wenigen Plätzen möglich ist, an den meisten anderen aber nicht, bleibt leider unklar. Eine einheitliche Handhabe gibt es aber definitiv nicht.

Bei Flügen auf die Isle of Man ist übrigens kein Drawback möglich, denn die Isle of Man gehört zwar nicht zu UK, bildet aber mit dem Königreich eine Art Zoll- und Steuerunion.

Umliegende Länder

In Frankreich liegt der Preis für 100LL derzeit allgemein bei ca. 2,70 - 3,10 Euro. Damit ist Avgas dort meist mittlerweile genauso teuer wie in UK, eher sogar teurer. Vor allem teurer als auf den Channel Islands. Außerdem teurer als steuerfrei bezogenes Benzin in UK.

Vermeiden sollte man auf dem Weg nach UK und zurück Richtung Deutschland vor allem aber das Avgas-Tanken in den Niederlanden, da dort der Preis meist noch etwas über denen in Deutschland liegt. Ferner sind die Landegebühren auf den meisten niederländischen Plätzen ziemlich hoch. Auf den kontrollierten Plätzen wird außerdem noch eine ATC-Gebühr erhoben (Eurocontrol treibt diese separat ein). Und: seit 2016 wird an den holländischen Plätzen bei Flügen von und zu den Britischen Inseln die Aufgabe eines GenDecs gefordert, und das, obwohl man ja dann ohnehin dort nur "internationale" Plätze verwenden darf. Immerhin: an vielen kleineren Plätzen in den Niederlanden gibt es halbwegs bezahlbares Mogas, was es in Belgien, Frankreich und UK kaum gibt.

In Belgien liegt der Preis für Avgas 100LL meist auf oder tendenziell geringfügig unter dem deutschen Niveau, aber eher über dem britischen Niveau.

Der Preis für 100LL auf der Isle of Man (Ronaldsway Airport) liegt in etwa im durchschnittlichen Bereich englischer Plätze.

Irland

Avgas gibt es in Irland recht verbreitet, allerdings in vielen Fällen nicht an den sehr kleinen Plätzen. Ferner ist das Avgas in Irland - zumindest wenn voll versteuert - meist eher noch etwas teurer als in UK, d.h. ca. 2,60 - 3,40 Euro pro Liter. Außerdem ist Irland dafür bekannt, etwas "unzuverlässig" bei der Spritversorgung zu sein. Um es mal überspitzt zu sagen: wenn ein Platz kein Avgas mehr hat, wird a) erst neuer Sprit bestellt, dann b) ein NOTAM herausgebracht und dann c) darauf gewartet, bis der neue Sprit da ist. Manchmal wird aber gar komplett vergessen, ein NOTAM zu veröffentlichen...

An einigen Plätzen in Irland ist es nach wie vor möglich, steuerbefreit zu tanken, wenn man daraufhin aus der Republik Irland ausfliegt, z.B. in Waterford (EIWF); denn ist es entsprechend günstiger. Das mit dem steuerfreien Tanken ist aber aus unerfindlichen Gründen von Platz zu Platz unterschiedlich.

Eine weitere Möglichkeit, auf der irischen Insel noch mal deutlich günstiger zu tanken, ist Nordirland, mit darauf folgendem Ausflug aus UK (siehe weiter oben); es reicht also auch ein kurzer Spring hinüber in die Republik Irland (GAR-Fristen beachten!).

Allgemeine Tipps zum Thema Tanken (Avgas) in UK:

- Bei der Planung aufmerksam das Aerodrome Directory der AIP bzw. des Jeppesen studieren. AVGAS100LL wird bei Jeppesen mit „F-3“ abgekürzt. Auch die britischen Flight-Guides enthalten in der Regel recht zuverlässige Informationen zur Verfügbarkeit von Sprit.

- Öffnungszeiten der Tankstellen: die lizensierten, mittelgroßen Verkehrslandeplätze haben in UK (auch im Sommer) oft nur bis 18 Uhr oder gar nur 17 Uhr local geöffnet. Dementsprechend kann auch oft nur bis zu dieser Uhrzeit getankt werden.

- Verfügbarkeit in Schottland: In Teilen Schottlands sind die Avgas-Quellen recht dünn gesäht. Dies gilt insbesondere für die Hebriden im Westen des Landes. Dort gibt es Avgas nur auf Islay EGPI und in Stornoway EGPO - an beiden Plätzen ungalublich teuer. Klassischer Tankstopp bei Flügen in dieser Gegend ist daher Oban EGEO, wo es deutlich günstiger ist. Wer es reichweitenmäßig schafft, der tankt auf dem Weg in der Westen Schottlands in Kirkbride (noch in England, aber nahe der schottischen Grenze); wo der Preis allgemein günstig ist.

Auch auf den Orkneys gibt es Avgas nur auf dem Hauptflughafen Kirkwall EGPA. Auf all den anderen kleinen Inselplätzen ist keins zu bekommen. Ähnliches gilt für die Shetlands (Avgas nur in Sumburgh EGPB und Tingwall EGET). Auch hier ist der Sprit stets teuer.

- Möchte man direkt nach der Landung tanken (immer dringend empfohlen), dies der Flugleitung bzw. dem Turm am besten gleich beim Abrollen von der Piste (oder gar schon während des Anflugs) mitteilen, um Wartezeiten zu vermeiden. Außerdem am besten schon beim PPR-Antrag. Dabei immer betonen, dass man AVGAS braucht, damit man nicht zum falschen Platz gelotst wird, bzw. der falsche Truck kommt. Im Übrigen gibt es an einigen etwas größeren Plätzen (z.B. Biggin Hill EGKB oder Southend EGMC) die Wahl zwischen einem Betankungsservice per Tanklaster oder der Self-Service-Betankung an einen fixen Tankstelle. Letzteres kostet dann meist ein paar Pence pro Liter weniger

- Darüber hinaus wird in einigen Fällen für die Bezahlung per Kreditkarte eine nicht unwesentliche Gebühr erhoben. Dies am besten vor dem Tankvorgang klären.

- Wie oben schon angedeutet, ist der Preis für Avgas in UK noch etwas uneinheitlicher als z.B. in Deutschland. Daher lohnt es sich, im Vorwege den Preis in Erfahrung zu bringen (siehe oben). Außerdem: einige Plätze erlassen oder reduzieren - wenn man dort tankt - die Landegebühr, was oftmals mehr ausmachen kann als ein paar cents Preisdifferenz beim Benzin. Fragen lohnt sich!

2) AVGAS UL91

Was ist das?

Hierbei handelt es sich um das ursprünglich von der Firma TOTAL vor einiger Zeit eingeführte, mit 91 Oktan versehene Avgas. Diese Oktanangabe bezieht sich freilich auf MOZ und kann daher nicht ohne Weiteres mit den Oktanangaben bei Mogas (ROZ) verglichen werden. Es ist auch sonst in keinster Weise mit Mogas gleichzusetzten; es handelt sich um ein Avgas. Genau gesagt ist es mehr oder weniger einfach nur 100LL ohne den Bleizusatz, was dazu führt, dass das Produkt "nur" 91 Oktan (MOZ) hat. Es ist damit am ehesten mit dem seit vielen Jahren in Schweden verfügbaren Hjelmco 91/96UL zu vergleichen. In jedem Fall ist es garantiert ethanolfrei.

Wer kann es benutzen?

Zunächst einmal kann UL91 natürlich in allen Flugzeugen verwendet werden, die ohnehin bereits für den Betrieb mit Mogas zugelassen sind. Darüber hinaus aber kann UL91, da es (im Gegensatz zu "Straßentankstellenbenzin") Avgas-Standard (ASTM 7547) entspricht, ohne Bedenken hinsichtlich Ethanol-Anteil, Dampfblasenbildung etc. verwendet werden, aber eben nur für Flugmotoren, die für den Betrieb mit diesem Treibstoff freigegeben sind. Das sind derzeit sämtliche Rotax-Motoren (zertifiziert und nicht-zertifiziert) der 912er und 914er Baureihe. Außerdem sind auch eine ganze Reihe Lycoming-Motoren für UL91 zugelassen (fast alle Saugmotoren, teilweise auch die größeren mit Benzineinspritzung). Bei diesen muss dann allerdings ein Öl-Additiv (Anti-Scuffing Agent) verwendet werden, welches aber in vielen Ölen ohnehin bereits enthalten ist.. Bisher sind noch keine Continental-Motoren zugelassen, wobei in solchen Contis, die ohnehin für Mogas zugelassen sind (C-90, O-200, O300) technisch gesehen natürlich bedenkenlos UL91 verwendet werden kann.

Piloten von Maschinen, die für diesen Treibstoff zugelassen sind, ziehen diesen 100LL meist sogar vor, weil bleifreier Treibstoff besser für die Motoren ist. Das gilt für vor allem für Rotax-Motoren, aber im Prinzip auch für gring verdichtende Contis und Lycos.

Verfügbarkeit?

UL91 ist derzeit an ca. 20 britischen Flugplätzen verfügbar; die Zahl wächst langsam. Meist handelt es sich um mittelgroße, recht aktive VFR-Verkehrslandeplätze mit ausreichend langen Bahnen. UL91 ist aber bisher an keinem "größeren" Flughafen verfügbar. In Irland gibt es UL91 bisher praktisch gar nicht.

Übrigens gibt es UL91 auch an ca. 15 (kleineren) Plätzen in Frankreich, teilweise auch nahe dem Kanal; leider aber ist keiner dieser Plätze auch "point de passage frontalier". Außerdem gibt es UL91 in Belgien (Grimbergen EBGB), in der Schweiz (Bressaucourt LSZQ) sowie mittlerweile auch immer mehr in Deutschland, wo vor allem an den "TOTAL-Plätzen" das frühere Mogas-Angebot durch UL91 ersetzt wurde.

Preis?

Der Preis pro Liter liegt in UK ist mittlerweile durchschnittlich leider auf dem selben Niveau wie von 100LL angesiedelt. Dies war ganz zu Beginn der Verbreitung von UL91 durchaus noch etwas anders. Mittlerweile ist der Preis mancherorts sogar einen Tick höher als der für 100LL. Manche sagen "da wird kräftig abgesahnt", aber die Realität ist wohl eher, dass es aufgrund des einhergehenden hohen Logistikaufwands und der geringen Absatzmengen einfach kaum günstiger geht.

Immerhin: Viele Betreiber berichten von deutlich geringeren Problemen mit Ablagerungen auf den Zündkerzen und Ventilsitzen, als dies bei Benutzung von 100LL der Fall ist.

Übrigens gilt für UL91 die selbe Duty-Drawback-Rate wie für 100LL.

Eine ideale Übersicht über die Verfügbarkeit und Preise von UL91 gibt es wiederum beim Flyer Forum:

UL91 Price League Table 

3) AUTOSUPER / BLEIFREI / "MOGAS"

Im Jeppesen ist Mogas mit "F-6" abgekürzt. Mogas ist aber (von einer richtigen Zapfsäule) nur noch an sehr wenigen Plätzen in UK verfügbar. Seit es UL91 gibt, verdrängt dieses das früher hier und da verfügbare Mogas noch mehr.

Drei Beispiele, wo es m.W. noch Mogas gibt, sind die Plätze Beverley (EGNY) und Strathaven. Außerdem das nordenglische Kirkbride, was bei Flügen nach Schottland sehr hilfreich sein kann. Oft ist es aber auch keine richtige Tankstelle, sondern nur eine Sammlung aus Kanistern oder ein kleiner Annänger. Die Preisdifferenz von Mogas zum (qualitativ hochwertigerem) Avgas UL91 ist zwar nicht riesig, aber dennoch deutlich spürba. Anderserseits stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, die höhere Gefahr von Ethanolbeimischungen beim Mogas in Kauf zu nehmen.

Sparen kann man mit Mogas allerdings umso mehr, wenn man selbst Kanisterbetankung mit Tankstellensprit macht. Dies ist aber an den größeren (=überwachten) Plätzen oft kaum möglich; außerdem muss man dabei noch mehr auf etwaige erhöhte Ethanolanteile achten. An kleinen und ganz kleinen Flugplätzen ("farm strips") und allgemein in der Mircolight-Szene ist diese Art der Betankung hingegen üblich. Verbraucht Ihr Flieger weniger als 20 Liter pro Stunde (Rotax, Jabiru, Limbach, etc.), kann das eine sehr gute Alternative sein. ABER: Unbedingt stets die Premium-Sorte nehmen; bei diesen ist nämlich das Ethanolrisiko am geringsten. Am besten prüfen. Kosten dann derzeit umgerechnet so ca. 2,00 Euro pro Liter.

Insbesondere in Irland kann man Mogas auf vielen kleinen Vereinsplätzen bekommen (allerdings meist nur aus Kanistern).

4) JET A-1 ("AVTUR") / DIESEL

Jetfuel wird in UK als "AVTUR" (steht für "Aviation Turbine") bezeichnet und ist dort sehr günstig, u.a. da dieses nur mit einem sehr geringen Mehrwertsteuersatz von 5 Prozent belegt ist. Außerdem wird in UK bei Jetfuel an der Tankstelle zunächst keinerlei Minerölsteuer fällig. Diese ist zwar genau genommen im Nachhinein beim britischen Zoll (zumindest für Inlandsflüge) zu entrichten, wenn der Treibstoff für nicht-kommerzielle Zwecke genutzt wird; Ausländer machen das in der Praxis nie (können es möglicherweise gar nicht) und das wird von niemandem kontrolliert.

Jet gibt es praktisch an allen größeren Flughäfen sowie an den meisten mittelgroßen Plätzen; selten auch an sehr kleinen Plätzen. Der Liter kostet ca. 1,20 bis 1,80 Euro; die prozentualen Schwankungen sind also recht groß. In Irland ist der Preis ähnlich. Tendenziell noch günstiger is Jet A-1 auf den Kanalinseln. Am günstigsten tankt man Jetfuel in Mitteleuropa nach wie vor in Luxemburg (ELLX); auf der Strecke zwischen den südlichen Teilen Deutschlands und UK kann man das also recht gut als Tankstopp einbauen. Ohne Landegebührenkonto in ELLX (welches man mittlerweile nicht mehr ganz so einfach bekommen kann) muss man dort allerdings auch bei einem reinen Tankstopp ein Handling bezahlen (das Handling braucht man, um die Landegebühr bezahlen zu können....).

In Belgien ist Jetfuel nur dann sehr günstig, wenn man steuerbefreit tanken kann, sehr günstig (ca. 1,30 Euro). Das geht da aber im Gegensatz zu UK nur dann, wenn man ein AOC vorweisen kann. Sonst kostet es ca. 2,20 Euro pro Liter. Auf den Channel Islands ist Jetfuel stets günstig, weil mineralölsteuerfrei.

Auch bei Jetfuel lohnt sich in UK ein Blick in das Flyer Forum und den dortigen Jet-A1 Price League Table.

Ansonsten gelten grundsätzlich dieselben Tipps wie im Abschnitt über AVGAS.

Aufgrund des in UK und Irland sehr günstigen Jetfuel-Preises macht es kaum Sinn, stattdessen Diesel zu tanken. Man kann diesen ohnehin an keinem Flugplatz bekommen, aber natürlich an einer möglicherweise nahe gelegenen Autotankstelle (umgerechnet ca. 2,20 Euro pro Liter), was für Flieger mit TAE-Motor oder Austro-Motor zumindest eine Notlösung sein kann (allerdings eher nur an "unbewachten" Flugplätzen).

Übersicht

Hier gibt es nochmal eine Übersicht zu den Preisen aller vier Treibstoffsorten in UK. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten, da die Liste alphabetisch geordnet ist und viele Preise durchaus schon etwas veraltet sind. Solche, die mehr als ein paar Monate alt sind, können natürlich in der Regel nicht mehr als sehr zuverlässig erachtet werden.  


© Philipp Tiemann