Flugvorbereitung/PPR
PPR und "out-of-hours permits"

PPR ist (leider) ein großes Thema in UK. Spöttisch könnte man fast von einer PPR-Manie sprechen - aber gut - andere Länder, andere Sitten; bei den Briten gilt das bekanntlich ganz besonders. Das ist ja schließlich einer der Gründe, warum das Reisen in andere Länder so spannend und abwechslungsreich ist.

PPR-Regelungen werden in UK quer durch die Bank, bei allen Typen von Flugplätzen (also vom privaten Farmstrip, über betriebssame Verkehrslandeplätze, bis zu den großen Flughäfen) angewandt. Nur ganz wenige Plätze haben keine PPR-Regelung. Das führt leider dazu, dass man auf einer Fliegertour manchmal den Eindruck hat, mehr zu telefonieren als zu fliegen... aber sehen sie es positiv: beim PPR-Anruf bekommt man noch mal aktuell das Wetter sowie etwaige Besonderheiten wie z.B. Infos zur Pistenbeschaffenheit mitgeteilt, was auch nicht falsch ist.

Ohne die Sache hier allzu sehr breitzutreten und lange das "warum" zu ergründen: Ca. 90% der Fluplätze in UK (also auch ein Großteil derer mit normal geregelten Öffnungszeiten!) haben nun mal eine PPR-Pflicht, und diese sollte man dann auch unbedingt stets nachkommen. Dasselbe gilt für Irland. Es gibt einige Plätze, an denen man ohne erfolgtes PPR nach dem Einleitungsruf knallhart abgelehnt wird.

Dabei wird das PPR-Prinzip meist etwas anders angewendet, als es deutsche Privatpiloten aus der Heimat kennen. PPR dient in UK meist schlicht einer Art administrativen Voranmeldung und eher nicht dazu, einen Flugleiter an einen (ansonsten geschlossenen) Flugplatz zu holen.

Also nochmal: zuallermeist sind die Plätze zwar eigentlich ohnehin "geöffnet" (und abgesehen von den "farm strips" auch besetzt), es wird aber trotzdem PPR verlangt, entweder, da der Platz nur eine beschränkte Zulassung hat oder weil z.B. die örtlichen Gegebenheiten ein Vorab-Briefing erfordern. Oder eben einfach ohne Grund...:-)

In den genannten Fällen ist in der Regel – wie in Deutschland – ein mündliches, sprich telefonisches PPR gewünscht. Schriftlich eher weniger. Einige Landeplätze (vor allem mittelgroße Landeplätze) geben sich auch mit einem PPR über Funk zufrieden, was ja dann genau genommen gar kein PPR im klassischen Sinn ist. Da man dies aber im Einzelnen vor dem Flug kaum wissen kann, ist der einzig sinnvolle Weg, bei jenen Plätzen die "PPR" im Aerodrome Directory bzw. Flight Guide stehen haben, dies vorab einzuholen. Manche Plätze haben mittlerweile auf ihren eigenen Websites auch "PPR-Forms", also die Möglichkeit, online PPR zu beantragen. Ich bin da aber - zumindest wenn man erstmalig einen Platz besucht - kein Freund von und würde dennoch eher anrufen.

Tipp: praktisch jeder GA-Platz in UK hat eine Website, wo meist einige Infos zum Anflug (Lärmschutzverfahren, Ver- und Gebote, etc.) dargestellt sind. Daher: bevor man den PPR-Anruf tätigt, sollte man diese Seite gelesen haben und dem Angerufenen gleich am Anfang auch mitteilen, dass man die Website schon studiert hat. Dadurch verkürzt sich der Anruf meist gewaltig.

Allerdings: umso kleiner und privater der Platz ist, desto mehr besteht der Erfahrung nach die Gefahr, dass man unter der veröffentlichten Telefonnummer niemanden erreicht. Oft sind das Festnetznummern, wo selten jemand da ist. Machmal antworrtet zunächst nur eine Mailbox. Mal ist auch die in den Flight Guides, etc. veröffentlichte Nummer veraltet. Daher mein Tipp, den PPR-Anruf nicht auf dem letzten Drücker zu machen. Außerdem ist es so, dass viele Plätze ja erst um 10 Uhr morgens öffnen, also auch dann erst für PPR-Anrufe erreichbar sind. Daher: wenn man früh am Vormittag landen möchte, sollte man das PPR unbedingt am Vortag einholen. Die allererste Kontaktaufnahme (inbesondere bei Privatplätzen) unter Umständen sogar schon deutlich früher!

Und nochmal, damit keine Mißverständnisse entstehen: Nur weil man PPR eingeholt hat, heißt das bei vielen kleinen Plätzen noch lange nicht, dass der Platz dann zu der angegeben Uhrzeit irgendwie besetzt sein wird, oder gar, dass jemand am Funk antworten wird. Die Briten gehen da (zum Glück) deutlich relaxter mit ihren Flugplätzen um als die Deutschen und fordern nicht unbedingt einen "Flugleiter". Also, wenn im Funk keiner antwortet: Blindmeldungen abgeben, Windsack kontrollieren, tiefer Überflug und landen. Mit PPR kann man an vielen unlizensierten Plätzen im Sommer auch z.B. erst sehr spät abends landen, was bei lizensierten Plätzen in der Regel weniger geht.

Große Flughäfen hingegen haben meist eine PPR-Regelung im Hinblick auf das (meist verpflichtende) Handling. In der Regel ist auch hier gewünscht, dies telefonisch einzuholen. Teilweise ist es aber auch schriftlich (per email) OK oder gewünscht. Da sich die für ein PPR erforderlichen Informationen immer sehr ähneln, habe ich im Abschnitt „Downloads“ ein Formular zum Download bereitgestellt, welches nur noch mit den entsprechenden Daten ergänzt und gefaxt (oder gesannt und per e-mail versandt) werden muss.

Und zur Klarstellung: Das Aufgeben eines Flugplans konstituiert grundsätzlich noch keinen PPR-Antrag für den Zielflugplatz, denn die OPS-Büros der Flugplätze haben in der Regel keinen direkten Zugang zum AFTN. Der PPR-Antrag muss daher stets separat erfolgen (Ausnahme: Biggin Hill).

WICHTIG: Wenn man PPR eingeholt hat und dann doch nicht fliegen kann (oder sich massiv verpätet) unbedingt bei dem Flugplatz Bescheid geben. Bei kleinen Plätzen ist dies schon eine Frage der Höflichkeit, denn möglicherweise fährt extra jemand zum Platz um Sie zu erwarten. Bei einigen mittleren und größeren Plätzen aber kann es sein, dass in dem Fall SAR ausgelöst wird (ist zwar Unsinn, so zu verfahren, aber es ist an manchen Plätzen in UK leider so).

Bei vielen Plätzen (auch in Irland) steht in der AIP bzw. im Jeppesen gern auch mal "24h PPR". Die 24 Stunden werden dabei in aller Regel nicht allzu ernst genommen; ein paar Stunden tun es in der Regel auch.

Nur ganz ganz wenige Plätze in UK haben keinerlei PPR-Pflicht Meistens handelt es sich dabei um die mittelgroßen Flughäfen. Mir fallen spontan Coventry, Southend und Jersey ein (bitte vor dem Flug verifizieren).

Ausnahme bei dem ganzen PPR-Gedöns sind natürlich Diversions, also ungeplante Ausweichlandungen wg. Wetter o.ä. Heißt also: bei einer Diversion muss man sich keine Gedanken wegen des Themas PPR machen. Das wissen die Lotsen und Flugplatzmitarbieter auch und machen in diesen Fällen keine Welle. Außerdem erlassen viele Plätze in diesen Fällen die Landegebühr.

Thema "out of hours" operations

Wie schon an anderer Stelle angesprochen, "schließen" sehr viele lizensierte Flugplätze - auch im Sommer - in UK schon am späten Nachmittag bzw. frühen Abend. Bei diesen Plätzen kann dann (im Gegensatz zu farm strips) grundsätzlich danach erst mal nicht mehr gestartet und gelandet werden.

Sprich: Obwohl es in UK keinen "Flugleiterzwang" gibt, ist es dennoch auch nicht möglich, ohen Weiteres einfach so nach den Schließzeiten der Flugplätze weiterzufliegen. Leider. Dies hat in der Regel versicherungsrechtliche oder Sicherheitsgründe; an manchem Plätzen spielt natürlich auch der Lärmschutz eine Rolle.

Allerdings ist die Regelung nicht so starr wie z.B. in Deutschland, d.h. es kann unter Umständen auch später noch (dann eben ohne besetze Bodenfunkstelle) geflogen werden. Hierfür braucht man meist ein so genanntes "out-of-hours-permit" bzw. ein "out-of-hours-indemnity-agreement". Falls Sie in dieser Richtung Bedarf haben sollten (oder schlicht einfach nicht ausschließen können, etwas später zu kommen), setzen Sie sich allerdings mit dem Sie interessierenden Flugplatz in Verbindung. Meist ist dieses permit relativ einfach zu bekommen. In einigen Fällen allerdings kostet es ziemlich viel Geld (z.B. in Redhill).

Insbesondere bei den in Schottland sehr langen Sommerabenden (und teilweise sehr reduzierten Flugplatzöffnungszeiten) kann so etwas sehr schön sein. Daher soll hier kurz das Verfahren zur Erlangung der zwei wesentlichen, schottischen "out-of-hours permits" erläutert sein:

1. HIAL (Highlands & Islands Airports) out-of-hours permit

Dieses Permit ist flugzeugbezogen kann für die folgenden Flugplätze genutzt werden:

Benbecula, Inverness, Islay, Kirkwall, Stornoway, Tiree, Wick

Für dieses Permit muss man sich an

Highlands & Islands Airports Limited
Head Office
Inverness Airport
Inverness IV2 7JB
Tel. 0044 (0) 1667462445
Fax: 0044(0) 1667464208
info@hial.co.uk

wenden, einen Antrag ausfüllen, den Versicherungsnachweis des Flugzeugs vorlegen, Kreditkartendaten hinterlassen und eine Gebühr von ca. 38 Pfund bezahlen. Diese Prozedur ist wohlgemerkt auch rein per e-mail machbar (dazu muss der Antrag ausgefüllt, unterzeichnet und dann entweder gefaxt oder gescannt und dann per e-mail versendet werden). Das Permit ist 12 Kalendermonate gültig. Aber: vor jeder "out-of-hours Landung" bzw. jedem "out-of-hours Start" muss man während der Öffnungszeiten bei dem entsprechenden Platz nochmals PPR beantragen. Die jeweiligen Landegebühren (die keinesfalls mit der Gebühr für das Permit abgegolten sind) werden dann von der Kreditkarte abgebucht.

Wenn man von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, sollte man sich allerdings im Klaren darüber sein, dass man auf einem geschlossenen Flugplatz landet, d.h. es wird meist kein Mensch da sein. Dies sollte man berücksichtigen, z.B. hinsichtlich der weiteren Transportfrage (Stichwort: Taxinummer?). Außerdem wird man natürlich keine Feuerwehrbereitschaft, vorfinden. Ferner sollte man schon während des PPR-Anrufs mit dem Airport-Personal klären, auf welche Weise man Zutritt zur Airside erlangt bzw. diese verlassen kann, da selbstverständlich alle Türen zunächst mal verschlossen sein werden.

2. Argyll and Bute Council out-of-hours permit

Eine Besonderheit stellen die die Hebridenflugplätze Coll (EGEL) und Colonsay (EGEY) in Schottland dar. Sie können ausschließlich mit einem out-of-hours-permit angeflogen werden, denn sie haben nur minimale "reguläre" Öffnungszeiten, und während dieser ist der Platz für den Linienverkehr "reserviert". Daher ist logischerweise jede Flugbewegung von Privatflugzeugen "out-of-hours". Seit 2014 ist es allerdings so, dass man ein für Coll und Colonsay begrenztes Kurzzeit-Permit (sog. "Holiday-Voucher") kostenlos bekommen kann (es muss aber dennoch etwas Papierkram erledigt werden).

Für dieses permit muss man sich wenden an:

Oban Airport
North Connel, By Oban
Argyll, PA37 1SW
Tel. 0044 (0)1631710910
Fax: 0044 (0)1631710916

Ansonten gibt es auch ein Permit für out-of-hours Flugbewegungen auf dem Flughafen von Oban (EGEO), was aufgrund dessen ebenfalls relativ beschränkter Öffnungszeiten sehr hilfreich sein kann. Hier hat man nun die Wahl zwischen einem Jahrespermit (38 Pfund) oder - für die meisten sicherlich sinnvoller - ein Kurzzeit-Permit (ein oder zwei Wochen) für 6 bzw. 8 Pfund. Auch hierfür wendet man sich natürlich an Oban Airport.

Ein beiden Fällen muss man einen Antrag ausfüllen, den Versicherungsnachweis des Flugzeugs vorlegen, und Kreditkartendaten hinterlegen. Diese Prozedur ist wohlgemerkt auch rein per e-mail machbar (dazu muss der Antrag ausgefüllt, unterzeichnet und dann entweder gefaxt oder gescannt und dann per e-mail versendet werden). Dies also nicht auf den letzten Drücker machen! Vor jeder "out-of-hours Landung" bzw. jedem "out-of-hours Start" muss man während dessen Öffnungszeiten bei Oban Airport PPR beantragen. Die jeweiligen Landegebühren (die keinesfalls mit der Gebühr für das Permit abgegolten sind) werden dann von der Kreditkarte abgebucht.

In beiden Fällen können nur Flugzeuge bis 2,73 Tonnen MTOW ein out-of-hours Permit bekommen.


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